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Vargton Projekt

ProgXpriMetal

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ProgXpriMetal
ProgXpriMetal, Lion Music, 2011
Morgan Agren Drums, Percussion
Mats Hedberg Guitars, Sitar, Ebow
Björn Jansson Vocals
Gäste:
Marco Caudai, Fabrizio Sciannameo Bass
Alessandro Gwis Keyboards & Laptop Sampler
Giovanni Imparato Percussion & Animal Voices
Hans Lundin Organ & Nord Lead
Lars Eric Mattsson Guitar on Jaipur, Uggarderojr, Birka Trilogy I - The Gathering, Birka Trilogy III - Defender & Believers
Länge: 75 Min 25 Sek Medium: CD
1. Jaipur10. Capriccio
2. Ujevkoszonto11. U Playin On My Drum
3. Uggarderojr12. Outrott
4. Rjoredraggu13. Allegro Vivace
5. Birka Trilogy I - The Gathering14. Digerrojr
6. Birka Trilogy II - Rendition15. Vargton
7. Birka Trilogy III - Defender & Believers 16. Naudljaus
8. Norrsken17. Tokeri 1
9. Lvorna18. Tokeri 2

Die Geschichte zu dieser Band ist genauso spannend wie die Musik, die uns auf "ProgXpriMetal" geboten wird. Die Grundlage dieser Band wurde 2006 von Mats Hedberg in Schweden gelegt, nachdem er mit dem Grammy dekorierten Schlagzeuger Morgan Agren telefoniert hatte und ihm die Rohfassungen seiner Soundcollagen vorgespielt hatte. 2007 begannen die beiden mit den Aufnahmen und dieses Jahr konnte dann endlich das finale Mastering vorgenommen werden und das Sammelsurium an Stücken zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden. Es ist jetzt aber nicht so, dass sich das wie Flickschusterei anhört, eher würde ich sagen, ist hier eine der speziellsten CDs für das laufende Jahr entstanden.

Legt man beim Einstieg noch auf nahezu mainstreamingen Pfaden los, ist sehr schnell festzustellen, dass VARGTON PROJEKT diesen Weg nicht beschreiten möchte. Wenn im Soloteil eine superb gespielte Gitarren sich mit einer Sitar duelliert, hat das nicht nur was Besonderes, sondern was richtig exotisches, anderes. Wenn man weiß, dass Jaipur (so der Titel der ersten Nummer) die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Rajasthan ist, erklärt das auch diese interessante Instrumentenkonstellation. Weiter geht's auf der Gitarre mit mittelalterlich-klassischen Klängen. Doch dieses Präludium ist nur von kurzer Dauer, dann übernehmen wieder die riffenden Gitarrentöne das Kommando. Uggarderojr ist nicht nur der Titel des nächsten Stücks, es ist auch das höchste Steinhügelgrab auf der schwedischen Insel Gotland oder der Asteroid mit der Nummer 10807. Wer Björn Jansson bisher nicht auf dem Radar hatte, sollte diesem Sänger dringend mal Gehör schenken, denn der Mann hat ein sehr angenehmes, rockendes Organ. Während dieser sich dann gesanglich zurücknimmt und die Instrumente den Rest des Songs übernehmen, werden wieder orientalische Melodiebögen im Keyboardverlauf erkennbar. Ein weiteres Steinhügelgrab auf Gotland (oder aber Asteroid Nummer 10808) wird später auf ganz andere Art in Digerrojr instrumentalistisch dargeboten. Sehr gut ist in dem Song die Nähe zu Joe Satriani zu erkennen. Ein weiterer Höhepunkt auf einer an Höhepunkten sehr reichen Scheibe. Rjoredraggu, ein sehr experimenteller Song, der wahrscheinlich manchem eher wie eine Klangkollage aus Sitar, Ebow bespielter E-Gitarre und strukturlosem Schlagzeugspiel erscheint, würde ich als erste Verbeugung vor KING CRIMSON, Frank Zappa und anderen ähnlich gearteten Musikerkollegen verstehen.

Die nachfolgende "Birka-Trilogie" bestehend aus The Gathering / Rendition / Defender & Believers startet wie eine Melange aus Jorn-Gesang-trifft-James-LaBrie-Gitarren, um im zweiten Teil anmutig das Urteil über den damals wichtigsten Handelsplatz Skandinaviens auszusprechen. Lieber Leser dieser Zeile: beim Hören dieser Scheibe kann man noch richtig was lernen, denn Birka war zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert tatsächlich der wichtigste Handelsplatz in Skandinavien, dessen Bewohner bis heute auf unerklärliche Weise zum Ende des 10. Jahrhunderts den Ort verließen. Diese Geschichte dürfte Basis für diesen Dreiteiler sein. Und man bekommt eine Ahnung von dem, was vorgefallen sein könnte, denn allein die Musik lässt die mir gänzlich unbekannte Geschichte lebendig werden. Ganz großes Kino für die Ohren.

Mit Norrsken und Lvorna folgen zwei sehr kompakte und dichte Instrumentalstücke, die ihre Zeit brauchen, dann aber einen penetranten Charme entwickeln: man will es immer und immer wieder hören. Das Capriccio ist eine Musik von freiem, spielerischem und scherzhaftem Charakter, das sich wenig bis gar nicht an tradierten musikalischen Formen orientiert. So sagt's Wikipedia. Hört euch das gleichnamige Stück an und ihr versteht, was damit gemeint ist. U Playin On My Drum ist kein Schlagzeugsolo, aber ein vom Schlagzeug dominiertes Stück: treibend, rockend und zum Ende hin überraschend. Die paar eingestreuten Textzeilen hätten sich die Jungs allerdings auch sparen können. Outrott ist das Ende des vorhergehenden Songs noch mal, nur diesmal mit schwedischen Spielanweisungen versehen. Mehr Scherz, aber irgendwie dann doch wieder passend.

Ab dann hat man den Sänger nach Hause geschickt und es beginnt der experimentelle Part von "ProgXpriMetal". Das ist teilweise (bis auf Vargton) tatsächlich nur noch was für Freunde und Kenner des schrägen Musikgeschmacks. Auf Dauer anstrengend, sehr anstrengend, wenn man nicht gerade mit dieser Musik groß geworden ist, oder aber sie für sich ins Herz geschlossen hat.

Für mich gehört "ProgXpriMetal" von VARGTON PROJEKT definitiv zu den ersten Überraschungen der zweiten Jahreshälfte und sollte Freunde des progressiven Metals auf alle Fälle hiermit herzlichst ans Herz gelegt sein. Es lohnt sich!

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 14.08.2011


 
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