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Hallo Lanvall!
EDENBRIDGE ist im Home-Of-Rock absolut unverständlicher Weise bisher nicht in Erscheinung getreten. Diesen Umstand haben wir mit dem Erscheinen Eures neusten Studioalbums schnellstens beseitigt.
Um Euch aber besser kennenzulernen bedarf es noch ein paar Fragen und Antworten. Danke, dass Du dir dafür Zeit nimmst.
Gerne.
Wobei störe ich Dich gerade?
Beim Ausarbeiten der Chöre für das nächste Serenity Album. Georg ist zur Zeit gerade bei mir im Studio und wir nehmen sämtliche Vocals auf.
Wie würdest Du EDENBRIDGE jemanden beschreiben, der Euch noch nie gehört hat?
Symphonic Metal mit Herz und Hirn.
Ist Euer Bandname als Metapher zu verstehen? Wollt Ihr mit Eurer Musik die Brücke nach Eden – also ins Paradies – bauen oder gar sein?
Es ist in schon in unserem Bandnamen begründet, dass wir ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Elementen darstellen. Die Brücke steht z.B. für eine Verbindung zwischen den Kulturen und drückt sich musikalisch auch immer wieder darin aus, dass wir die unterschiedlichsten Instrumente und folkloristische Klangformen einbauen. Das Integrieren und damit verbinden der Gegensätze sehen wir als unseren Weg. Es ist der Weg des Herzens, der alles verbindet und doch alles für sich stehen lassen kann.
Wann wurdet Ihr gegründet und was war der Impuls symphonischen Metal zu spielen?
Edenbridge wurden 1998 gegründet und entstanden aus einem Projekt namens Cascade. Da ich mit klassischer Musik aufgewachsen bin und als Jugendlicher Heavy Metal entdeckte war es für mich klar diese beiden Stile miteinander zu verbinden.
Woher kennt ihr – im Speziellen Du und Sabine – euch?
Ich lernte Sabine 1995 kennen als sie Gitarristin und Backgroundsängerin bei einer Allgirl-Coverband war. Anfang 1996 kam sie dann zu Cascade und so fing alles an. Damals gab es noch kaum eine Band mit female Vocals abgesehen von den Rockröhren a la Doro Pesch usw.
Max und Dominik wohnen wie wir ebenso in Linz und da die Szene nicht sehr groß ist, läuft man sich schnell mal über den Weg. Max spielt ja auch bei In Slumber und Dominik bei Thirdmoon, die beide in der Death Metal Szene keine Unbekannten sind.
Wie läuft bei Euch der Songwriting-Prozess ab? In wie weit ist die Band und auch Sabine in das Komponieren miteinbezogen?
Ich sammle über einen längeren Zeitraum hinweg Ideen, das sind Gesangsmelodien mit Akkorden, Gitarrenriffs usw. Ab einem gewissen Punkt beginne ich dann die Arrangements am Computer zu erstellen. Das beginnt mit Drumprogramming, Bass usw. bis das Arrangement fertig ist. Dann bekommt jeder eine CD mit den Songs und schafft sich seine Parts drauf um perfekt für die eigentlichen Recordings vorbereitet zu sein. Natürlich hat dann jeder noch die Möglichkeit seine Interpretationen mit rein zu bringen. Gerade Max hat am Schlagzeug natürlich Patterns drauf, die man nie im Leben programmieren könnte und das ist auch gut so. Und bei Sabine weiß ich schon von vorhinein wie die Songs klingen werden, da ich ihre Stimme natürlich immer im Hinterkopf habe beim Komponieren. Das schöne ist dabei, dass ich niemals Kompromisse eingehen muß, da ihr Range so groß ist, dass ich problemlos in allen Tonarten komponieren kann.
Sabine ist nicht direkt ins Songwriting integriert, aber in alle wichtigen Entscheidungen involviert und hat beispielsweise gerade die komplette Story für unseren Videoclip entwickelt. Sie ist maßgeblich für die visuellen Ideen und Umsetzungen von Fotos und Artwork verantwortlich.
In der Vergangenheit hast Du die Streicherarrangements am Computer erstellt bzw. aus dem Keyboard gesampelt. Wie kam es zu der Entscheidung, diesmal wie beim Vorgänger wieder ein richtiges Orchester aufzunehmen?
Wir haben auf „Solitaire“ auf ein echtes Orchester komplett verzichtet. Ein echtes Orchester zu mieten ist immer eine Kosten-Nutzenrechnung und muss sorgfältig abgewogen werden. Zudem muss man sagen, dass der Laie oft gar nicht hört, ob hier ein echtes Orchester spielt oder auf Samples zurückgegriffen wurde. Ich habe mittlerweile einige der besten am Markt erhältlichen Samples bei mir im Studio und hab auch meine ganzen bisherigen Erfahrungen in die Orchesterarrangements bei „Solitaire“ einbringen können. Ich denke, dass die Orchester und Chorparts wirklich toll klingen. Generell erfordert es sehr viel an Feinabstimmung und Detailarbeit in der Dynamik, um Samples zum Klingen zu bringen und damit den raumgreifenden Klang eines echten Orchesters zu simulieren.
Es steht aber momentan im Raum, dass wir unsere geplante Show in Jakarta mit echtem Orchester spielen, was natürlich der Hammer wäre.
Euer neustes Album heißt „Solitaire“. Die meisten dürften darunter ein Kartenspiel kennen. Das dürfte aber nicht der Gedankengang der neusten CD sein. Worum geht es konkret? Versteckt sich dahinter ein roter Faden?
Solitaire ist kein Konzeptalbum, es ist allerdings so, dass wir am Ende der Songwritingphase meistens einen roten Faden entdecken, der sich irgendwie durchzieht und somit auch eine Verbindung zwischen den Songs schafft. Dinge miteinander zu verbinden, die vielleicht auf den ersten Blick/Ton nicht zusammenpassen, war ja immer schon unser Thema; dafür stehen wir auch mit unserem Bandnamen. Bei Solitaire geht es aber um die diamantene Verbindung in uns, die unzerstörbar ist – egal was in turbulenten Zeiten wie diesen auch passiert – die auch, wie ich meine über den Tod hinaus bestehen bleibt.
Ab dem 2006er-Album „The Grand Design“ taucht regelmäßig der Name Karl Groom auf Euren CDs auf, der bekanntlich Gitarrist bei THRESHOLD ist. Wie kam es zu diesem Kontakt.
Karl ist bei uns für den Mix zuständig, den ich mit ihm zusammen meistens in 2 Wochen in England erledige. Er hat einfach ein unglaubliches Wissen und Gehör für Frequenzen. Das ist in unserem Falle natürlich extrem wichtig, wenn so viele Spuren zusammenkommen. Power und Klarheit beim Mix würde es am besten definieren, was Karl so extrem gut aus den Songs herausarbeiten kann. Zudem ist er mittlerweile ein guter Freund geworden und als Gitarrist natürlich herausragend. Ich denke wir haben einen sehr verwandten Gitarrenstil, besonders was die Soli betrifft. Und das Threshold zu meinen und Sabines Lieblingsbands zählen brauche ich eh nicht zu erwähnen.
Mit Österreich verbindet man musikalisch eher Volksmusik oder gute Popmusik, die gerne auch mal gesellschaftskritisch ausfällt. Wie ist es um die Metalszene bei Euch bestellt?
Die Szene ist relativ überschaubar. Gerade im melodisch, symphonischen Bereich gibt es nicht viele Bands die über die Grenzen weg bekannt sind. Aber Österreich gilt verkaufstechnisch sowieso als zusätzliches Bundesland von Deutschland.
Ihr seid in den letzten Jahren sehr viel auf dem Globus herumgekommen. Was war dabei der bleibendste Eindruck?
Da gab es sicher viele. Unser erster Korea Trip und die Show am Busan Rock Festival vor 20.000 Leuten war schon unglaublich. Die China/Taiwan Tour 2007 ebenso mit dem Highlight, der Show in Peking. Insgesamt könnte man da viele Sachen nennen.
Was mir schnell aufgefallen ist und Euch sehr sympathisch macht, ist der direkte Kontakt, den man mit Euch halten kann. Da hängt kein störendes Management oder ähnliches dazwischen. Das ist man heutzutage fast gar nicht mehr gewohnt. Ist das Eure Philosophie: „nah am Fan?“ Und ist das nicht sehr zeitintensiv?
Natürlich ist es zeitintensiv, aber da sich mein Leben mehr oder minder den ganzen Tag um Edenbridge dreht gehört das einfach dazu. Die Fans sind die um die es geht. Sie kaufen die Musik und ermöglichen uns, dass wir weiterhin Musik auf diesem Level machen können, insofern ist es das normalste auf der Welt in Kontakt mit den Fans zu sein und das Internet macht die Sache ja sehr einfach. Und bei den Shows findet man uns nachher immer am Merchandise Stand.
Gibt es bei alldem noch „ein Leben neben EDENBRIDGE“?
Das gibt es natürlich, aber es dreht sich doch in erster Linie um die Band. Man merkt es immer dann wenn man sich einen kleineren oder größeren Urlaub gönnt und mal einige Zeit nicht online ist, da braucht es dann einige Zeit um die ganzen Sachen wieder abzuarbeiten, die sich aufgestaut haben, wie in einer Firma halt.
Neben der Musik bin ich in erster Linie gerne in der Natur. Skifahren im Winter ist dabei meine größte Leidenschaft. Zudem gehe ich auch gerne langlaufen, bin auch immer Sommer gerne in den Bergen unterwegs und mag es durch die Wälder zu gehen um einfach die Batterien aufzuladen, neue Ideen zu bekommen oder einfach abzuschalten.
Und dann hab ich natürlich meine zweite große Leidenschaft, nämlich Formel 1. Da bin ich seit 32 Jahren ein Riesenfan und hab in dieser Zeit auch kaum einen Grand Prix verpasst. Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit beim GP in Barcelona 3 Tage lang im Fahrerlager zu sein, was natürlich für einen Fan so ziemlich das Unglaublichste ist.
Dort hab ich dann z.B. auch Heikki Kovalainen persönlich kennengelernt, der ein wahnsinnig netter und bodenständiger Typ ist und total auf Metal steht und auch Edenbridge klasse findet.
Dürfen wir dieses Jahr noch mit einer Tour rechnen?
Um ehrlich zu sein, in Europa eher nicht mehr. Alle unsere Aktivitäten richten sich momentan auf Asien. Für November sind 3 Shows in Indonesien geplant, wo wir gerade eine Woche auf Promotour waren, zudem ist im Dezember in Vietnam was geplant. Wäre natürlich aber trotzdem schön, wenn sich für Europa noch was ergeben würde.
Danke für die umfangreichen Antworten und für die Zukunft alles Gute.
Ich danke für das Interview !
Lanvall
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