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Thorsten Wingenfelder

(Fury In The Slaughterhouse)

Über Wahrhaftigkeit und Authentizität

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Home of Rock: Hallo Thorsten, alles Gute zum Geburtstag! Stand heute in der BILD-Zeitung in München.

Thorsten Wingenfelder: Haha, danke. Wo stand das?

HoR: Ne, Spaß. Wie geht's Euch mit der neuen Platte. Unser Kollege, der Frankie Ipach, hat in seiner Besprechung zu "Nimby" gesagt: "Stagnation? Und wenn schon...!"

T.W.: Sagen wir mal so, was heutzutage Leute auszeichnet - zumindest mit denen ich was zu tun habe - ist eine gewisse Wahrhaftigkeit und eine gewisse Authentizität und ich fand es immer schon merkwürdig und verlogen, dass man jemandem aufdrängen will, dass er sich verändern muss, sich bewegen muss, irgendwo hinschreiten muss. Was wir trotzdem durchaus gemacht haben, Sachen die man vielleicht manchmal nicht sieht, wie zum Beispiel diese Planetariumsgeschichte in Hamburg, dieses Filmding oder auch Platten die in ihrer Bandbreite außergewöhnlich waren.
Die Band ist halt was sie ist und es ist die Aufgabe eines jeden Menschen und auch dieser Band, in die Tiefe zu gehen und da und dort zu graben wo das Gold liegt. Das ist immer der Moment, wenn die Band zusammenspielt und es irgendwie schafft, die Leute zu begeistern und so ein Stück zum Soundtrack ihres Lebens wird.
Insofern ist es sinnlos, darauf einzugehen ob sich etwas verändert hat oder nicht. Die Frage ist eher, ob das was da ist eine gewisse Klasse hat, bewegt es einen, kann man es gut hören und eignet es sich dafür, vielleicht in zehn Jahren zu seinem Kind zu sagen "da haben sich Mama und Papa kennengelernt".

HoR: Also Veränderung wenn's passt...

T.W.: Das Wort Veränderung stört mich! Veränderung ist, wenn du einen neuen Song schreibst und eine Stimmung aufbaust, die vorher noch nie da war. Was will man noch mehr verändern? Alles andere wäre das Fähnchen in den Wind zu hängen. Wir sind natürlich nicht die großen Veränderer, wir werden die Rockmusik nicht neu erfinden oder Gebäude einreißen und neue aufbauen.

HoR: Ihr geht jetzt dann auch wieder auf Tour. Wie ist das nach so vielen Jahren? Spürt man so was wie Amtsmüdigkeit?

T.W.: Amtsmüdigkeit nicht, aber klar, wenn Du eine Sache zum x-ten Male wiederholst, das wirst Du von Dir selber kennen, dann ist das irgendwann langweilig, immer wieder das selbe, wie jedes Jahr Oktoberfest...

HoR: Da war ich seit Jahren nicht mehr!

T.W.: Es liegt an dir selber, dass du es jedes mal neu gestaltest. Wir spielen natürlich sehr viel vom neuen Album, wir haben uns sehr entfernt von dieser Bildschirm-Video-Lichtshow, sondern uns darauf besonnen, was wir immer bei Konzerten klasse fanden, also "was ist eigentlich die Essenz des ganzen?"
Wenn du so was machst, und natürlich die alten Hits mit einbaust, dann hast du auch wieder richtig Spaß. Das ist immer wieder anders. Du musst dich halt auf den Hosenboden setzen und rausfinden, was dir und den anderen Spaß macht.

HoR: Plant Ihr für die Tour irgendwelche Geschichten wie neue Coversongs oder ähnliche Überraschungen, die bisher nicht da waren?

T.W.: Wir sind grade dabei zu proben. Ich kann Dir noch gar nicht viel dazu sagen. Wir haben eben mal das Album fertig, machen im Moment eine kleine Akustik-Tour durch Plattenläden, ich bin froh, dass wir das im Moment gebügelt kriegen. Kann aber schon sein, dass uns noch was einfällt, wir haben immer einen Sack voller Songs und manchmal auch viel Blödsinn den wir dann bleiben lassen. Mal sehen.

HoR: Seid Ihr bei dieser Akustik-Tour in voller Besetzung unterwegs?

T.W.: Ja, alle dabei. Das ist so eine Geschichte mit ROSENSTOLZ und DIE HAPPY, die da mit dabei sind. Es scheint so, dass das eine der wenigen Promotionsgeschichten ist, die Künstlern heute noch Spaß machen und das machen wir auch gern.

HoR: Auf "Nimby" ist wieder ein Cover, Protection von FISCHER-Z. Ihr habt so was immer wieder gemacht, wie kam die Idee diesmal?

T.W.: Das ist ja keine Coverversion, das ist eigentlich ein Remix von Jens Krause aus Hannover zu einem Originalsong, der Protection heißt. Der Remix ist vollkommen anders als das Original, wir haben also den Remix gecovert. Um die Ecke sozusagen.
Ich hatte das Band von John Watts (Kopf von FISCHER-Z; Red.) schon seit 1996 zuhause und für diese Platte hatte ich es endlich vorbereitet, oder, eigentlich wollte ich es auf mein Soloalbum machen, aber dann ist es halt in der Auswahl zur neuen Platte gelandet und von dort nicht mehr verschwunden.

HoR: Apropos Soloalbum. Du sprichst von "Songs Of Love And Hope". War ja jahrelang in Arbeit...

T.W.: Ich hab lange gebraucht, weil FURY immer "nebenbei" war. Letztes Jahr war sie dann fertig, kam raus, kleine Tournee gemacht und mich quasi mit meiner eigenen Musik befriedigt. Ist eine schöne Platte geworden und das merkt man auch daran, dass sie immer noch weltweit in kleinen Stückzahlen übern Ladentisch geht. Oder in Soundtracks fürs Fernsehen in Amerika verwendet wird.
Bin froh, dass ich das gemacht hab, so was wie ein Herzenswunsch den man sich erfüllt.

HoR: Ihr habt "Nimby" ohne externen Producer gemacht. Warum?

T.W.: Wir konnten es letztendlich einfach selber. Was immer in diesen tollen Plattenfirmeninfos steht - die ich abgöttisch hasse - ist dann diese "back to the roots" Geschichte. Es ist aber so, dass die Band am besten ist, wenn sie einfach spielt und irgendwann der Moment entsteht, wenn man merkt, dass etwas passiert. Und das passiert manchmal nicht, wenn man mit falschen Produzenten macht oder wenn die Band vielleicht in der falschen Stimmung ist.
Um das außen vor zu lassen, selbst verantwortlich zu sein und um schneller an die Essenz der Dinge zu kommen, haben wir diesmal gesagt "wir können es, wir wissen wie die Technik geht, wir brauchen nur einen Toningenieur und den Rest machen wir selber". Wir gehen damit das Risiko ein, für alles selbst verantwortlich zu sein, also sauberen Ton, gute Songs, gute Aufnahmen und für das was es ausmacht, dass Menschen die Platte kaufen wollen.

HoR: Wie entsteht eine Platte bei Euch? Erst Text, dann Musik oder andersrum?

T.W.: Man trifft sich, spielt sich die Sachen vor, die jeder hat, dann wird eine Vorauswahl getroffen, da weißt du schon mal wo man steht. Das ist auch Motivation für die Leute, die diesmal nicht so viel gemacht haben. Oft sind es nur Fragmente, ein Chorus, eine Hookline, wo man noch gar nicht weiß, was draus wird und wie der Text sein soll. Damit setzt man sich hin und entwickelt das Ding.
Ganz selten sind Songs komplett fertig und ganz ganz selten gibt es auch nur den Text. Dadurch, dass wir sechs Songschreiber sind, kannst Du Dir vorstellen, dass so ziemlich jede Variante des Songwritings vorkommt.

HoR: Seid Ihr eine Band, die 58 Songs aufnimmt und dann 6 Monate diskutiert, welche Songs auf die CD kommen? Oder plant Ihr eine Stunde Musik und mehr gibt's dann auch nicht?

T.W.: Wir haben schon mehr gemacht. Zwischendurch auch diesen Song für das Planetarium in Hamburg und wir haben noch 5 oder 7 Songs mehr und ein paar noch in der Entstehung, wo du merkst, die kommen einfach nicht durch die Decke. Die lässt man dann bleiben, aber die gibt es noch in der Rohversion und vielleicht irgendwann, man weiß ja nie...

HoR: Und die Aufteilung der Songwriting-Credits? Demokratisch oder muss jeder gleich viele Songs drauf haben?

T.W.: Das ist natürlich (!!!) wie immer total egal...
Es ist in dieser Bandchemie immer so etwas wie ein Wettbewerb. Wenn einer einen starken Song hat, dann kommt der auch auf die Platte, da sagt niemand "hey, jetzt hast du aber schon 4 und ich nur 3". Bei dieser Platte ist es das erste mal, dass alle mitgeschrieben haben und es ist schön, dass alle hinterher auch zufrieden sind.
Wir teilen die Kohle sowieso durch sechs, aber der Markt der Eitelkeiten ist bei uns auch vorhanden und jeder will hinterher befriedigt sein und sagen können, dass er auch was beigetragen hat.

HoR: Ihr ward jetzt die letzten beiden Scheiben bei einem Major und mit "Nimby" zurück bei der SPV. Was bleibt im Nachhinein? Frust, Ärger, Enttäuschung?

T.W.: Enttäuschung nicht. Du bist ja selber schuld (zu einem Major gegangen zu sein). Das ist die gleiche Entscheidung, wie wenn jemand sich einen neuen Arbeitgeber sucht, was weiß ich, eine neue Zeitung weil die mehr zahlt (mehr Kohle als beim HoR kann man gar nicht kriegen...) und auf einmal merkt man, dass man den Anforderungen die da gestellt werden, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht gewachsen ist. Vielleicht fühlt man sich schlicht wirklich nicht wohl und dann kehrt man "reumütig" dahin zurück, wo man herkam.
Das ist ein bisschen die Beziehung FURY-EMI-SPV. Auf der anderen Seite hatten wir uns natürlich auch versprochen, vielleicht europaweit oder gar in Amerika ein bisschen an den Start zu gehen. Aber in der Phase, in der wir die EMI angetroffen haben, war das einfach nicht mehr möglich. Das war das Sterben der Majors und Du weißt was passiert, wenn die Leute langsam untergehen: Dann rudern sie mit den Armen und machen und tun und dann fällt alles hinten runter.
(Passt doch astrein zum März 2004-Editorial)

Es hat alles wunderbar angefangen, wir hatten eine tolle Präsentation von "The Color Fury" mit unserem Kurzfilm und haben beim damaligen EMI-Präsidenten offene Türen mit unserem "Kulturprojekt" eingerannt. Vier Wochen später war plötzlich ein ganz anderer Mensch Präsident und der interessierte sich gar nicht dafür, weil der musste grad 140 Mitarbeiter entlassen. Und da wussten wir, dass wir unter all den momentanen Zu- und Umständen wohl kaum eine Chance hatten.
Deswegen ist die Zeit bei der EMI nicht einfach nur der EMI anzulasten.
Back to SPV ist eben: Zurück zu den Leuten die wir auch kennen. Mehr Freiheiten, natürlich mehr Freiheiten. Du gehst zu der Plattenfirma, kriegst eine Menge Geld für die Platte, sagst ihnen, dass wir alleine produzieren und ihr (Plattenfirma) kommt erst in sechs Wochen vorbei. Das muss man erst mal schlucken, aber die SPV weiß wenn sie sich eingekauft hat. Und letztendlich waren sie schon begeistert, wie konsequent wir das umgesetzt haben.
Die haben natürlich auch ihren Jammerfaktor, merken auch, wie schwierig es ist einen Song ins Radio zu kriegen, Platten zu verkaufen oder überhaupt Werbung zu machen...

HoR: Na ja, da seid Ihr ja wohl noch in einer vergleichsweise glücklichen Situation, grade was Radio etc. betrifft.

T.W.: Radio eben nicht. Wir haben große Probleme Songs da unterzubringen. Es geht noch, klar, wir gehören zu den Bands, die irgendwie noch überleben. Aber da ist viel Nimbus der Vergangenheit dabei und weil wir treue Fans haben und akribische Fanarbeit machen.
Ob die Verkaufszahlen geringer sind oder nicht, wir können noch davon leben. Heutzutage nicht mehr einfach. Stell Dir vor, die SPORTFREUNDE STILLER oder Reamonn machen eine Platte die keinen interessiert, dann sind die weg, dann war's das. Das hat nichts damit zu tun, wie geil die Platte und die Band ist.
Solche Experimentalplatten von Künstlern aus den Siebzigern oder Achtzigern, wo man sich halt mal eine verrückte Platte geleistet hat, so wie "Nebraska" von Springsteen, die Jahre später plötzlich "erkannt" wird, das gibt es heute nicht mehr.

WIR SIND HELDEN schaffen den Weg. Aber auch da heißt es: Ein nächstes Album ohne Hitsingle oder ohne STERN-Titelblatt oder was weiß ich... dann ist "vergiss es".
(Thorsten schwärmt noch ein wenig von Judith Holofernes)
Heute wird viel zu sehr nach Popstimmchen, nach leicht verdaulicher und leicht verderblicher Ware gesucht, und dann kommt so ein Ding daher, so was (er meint Wir Sind Helden) gab es lange nicht mehr.

HoR: Ihr macht Euch in V.I.P. ein wenig zynisch über das momentane Business her...

T.W.: V.I.P. ist eigentlich ein alberner Song, mit einem Text, der nicht wirklich tiefgründig ist oder was zu sagen hat.
Ich war in meinem Leben in ganz wenigen Momenten Star. Ich war oft auf der ECHO-Verleihung, nie gewonnen aber viel nominiert, und ich hatte immer das Gefühl dort, mit all den Abendkleidern und mehr Schauspieler und Sportler als Musiker, als ob ich da nicht hin gehöre.

HoR: Du magst kein Sushi?

T.W.: Doch, ich mag Sushi. Ich wär gern mit meiner Frau hingegangen, aber eben mehr als Fan. Aber so... plötzlich kommt ein Grönemeyer und sagt "Mensch, tolles Album" (Mensch? Wen meinte der da wohl, der Grönemeyer... Red.) oder ein Campino fragt "wie war's in Amerika". Da merkst du, du bist ein Teil dieser Szene aber gehörst irgendwie trotzdem nicht hin. Und da musste ich mit V.I.P. irgendwas machen.
(An dieser Stelle unterhielten wir uns nett über das "Roter-Teppich-Publikum" und Thorsten sagt irgendwann "du bist irgendwie ein bisschen populär und kriegst auf einmal von Mercedes nen SLK kostenlos vor die Tür gestellt", was mich natürlich sofort an meine derzeitige Lieblingsplatte erinnert - richtige Songschreiber/Musiker/Künstler ticken eben ähnlich)

HoR: Ihr habt von den Kritikern, trotz all der Erfolge und trotz der vielen Jahre, immer wieder gern eins auf die Ohren gekriegt. Nervt und ärgert das heute noch?

T.W.: Nicht mehr so wie früher. Früher fand ich beleidigende Sachen wirklich schlimm. Die "Mono" (1993) wurde mal als "typischer Hannover-Scheiß" abgekanzelt. Grade die! Da war der Anspruch, das beste deutsche englischsprachige Album zu machen und vielleicht ist es das sogar auch... Ich meine, einen toten Hund tritt man nicht. Solang noch jemand glaubt, er könne seine Zeitung füllen indem er dich anscheißt... fein. Da bist du immerhin noch wertig.
(Hier wiederum fand eine kurze Diskussion über Sinn und Inhalt von Musikmagazinen, Plattenkritiken, Unterschied zwischen Journalismus und Fanzines, Stuckrad-Barre, Arne Wilander, PUR, Hartmut Engler etc. statt - wobei ich da durchaus ein paar andere Meinungen vertrete, denn wenn der Schreiberling nicht gleichzeitig Fan ist, von was auch immer, wird er den Output eines Künstlers immer nur kühl analysierend und niemals kritisch liebevoll beschreiben. Trotzdem hat Thorsten in vielen Dingen absolut recht und wir werden das Thema an anderer Stelle bei Gelegenheit diskutieren)

HoR: Ich habe dieser Tage bei German Rock e.V. eine Geschichte über den Film zu Creep No. 2 gelesen, den Ihr bei der CD-Präsentation im Hamburger Planetarium gezeigt habt. Der schreibt von nackter, stöhnender Frau beim Sex und dass es doch im Lied um Kindesmissbrauch geht und dass das eben nicht zusammenpasst.

T.W.: Das Schlimme ist, dass man meint, dass der Song sich um Kindesmisshandlung dreht, das tut er aber gar nicht.
Es ist nicht mein Lieblingssong, aber es ist so, dass das Video ein 360° Video ist, das im normalen Fernsehen gar nicht geht und das haben Studenten der Fachhochschule Kiel gemacht und den Hammer hat der Mann gar nicht mitgekriegt. Die haben nämlich so eine kleine Minikamera nicht nur in den Mund sondern auch in die Vagina des Mädchens eingeführt. Das hätte den noch mehr aufgeregt.
Der wahre Textbezug ist, dass ein Mann ein Mädchen in der Form missbraucht, weil er ihr Liebe vorgaukelt und sie meint, dass er ihr den Himmel auf Erden holt und er weiß, dass er danach gehen wird. Letztendlich also viel subtiler. Ich denke, dass der dem Irrtum aufgesessen ist, weil der Song unglaublich nach Kindesmissbrauch klingt. In diesem Bezug versteh ich seine Kritik durchaus, das Video ist aber nicht besonders aufreizend oder so was.
Diese Hochschule hat insgesamt 11 Songs für dieses 360° "Kino" visualisiert, so was gab es in dieser Form vorher nie. Es wird nur in Planetarien gezeigt.
(es folgt noch eine kurze Abhandlung über die Sinnlosigkeit, heutzutage Videos für MTViva zu produzieren - korrekt, weil der Rocker solche Sender nicht guckt)

HoR: Inwieweit betrifft Euch als Künstler die momentane Schieflage im Business? Kriegt Ihr das, außer über Verkaufszahlen, mit?

T.W.: Künstlerisch betrifft uns das nicht. Aber in den Verhandlungen. Wir sind 17 Jahre dabei, und wenn man dann auf einen A&R-Manager mit 30 Jahren trifft, dann sag ich schon "Junge, deinen Job mach ich doch besser". Klingt jetzt arrogant, aber es ist so (zweifellos - Red.).
Manchmal ist es anstrengend zu merken, dass man uns hilfesuchend anguckt und fragt "wie können wir die Platte präsentieren". Solche Planetariumsgeschichten sind natürlich Entwicklungen, Ideen von der Band und nicht von irgendeiner Plattenfirma.
Wir gehen immer mehr zurück und sagen "wisst ihr was, wir machen die Platten und ihr verkauft sie". Völlig egal auf welchem Format (CD, MP3 irgendwas), die sollen ihren Scheiß zusammenkriegen und aufhören uns die GEMA zusammenzustreichen. Wir haben Millionen Platten für die Herrschaften verkauft und jetzt fangen die an, uns die GEMA zu kürzen, da sitz ich da und denke nur "was bitte, wie bitte".
Wir leiden natürlich auch unter den Verkaufsrückgängen und ich kenn eine Menge Leute, die es schwer haben, mit Musik ihre Familie zu ernähren. Und dazu gehör ich wahrscheinlich auch bald, wenn das so weiter geht.
(Wohlgemerkt: Wir reden hier von einer der bestverkaufendsten Band Deutschlands. Und das seit eineinhalb Jahrzehnten! Die Heerscharen von guten Musikern, die nicht mal im Traum dran denken können Profi zu sein, werden sich diese Zeilen gründlich durchlesen... Red.)

Die letzten zehn Minuten des Gesprächs unterhielten wir uns über Popstars, Superstars, Elli und ihre tatsächlich vorhandenen Qualitäten und Möglichkeiten eine langfristige Karriere zu gestalten. Tenor: Eine Hammerballade vom Bohlen schreiben lassen und ansonsten knallhart das eigene Ding durchziehen!

FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE werden uns noch einige Jahre erhalten bleiben und wir wünschen hierfür viel Spaß, Glück und wenig Ärger mit dem Business.
Herzlichen Dank an Thorsten Wingenfelder für die erübrigte Zeit und das mehr als angenehme Gespräch.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.03.2004

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