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Henrik Freischlader

Geboren in Memphis bei Wuppertal...

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Unser Disclaimer

Home of Rock: Dein letztes Album "The Blues" erschien erst letztes Jahr. Kaum ist das Jahr vorbei, stehst Du mit einem neuen Werk in den Plattenregalen. Bist Du ein Komponisten-Junkie oder hat die Fülle der Einfälle einfach nicht auf "The Blues" im Jahre 2006 gepasst.
Henrik Freischlader: Och, ich habe eigentlich ständig irgendwelche neuen Ideen, die sich relativ schnell in fertige Stücke umwandeln lassen, und für die aktuelle CD war es eben schon wieder an der Zeit.
HoR: Auffällig ist wieder die sehr gute Produktion von "Get Closer". Erzähl doch bitte einmal etwas über den Ablauf der Aufnahmen und welche Technik zum Einsatz kam.
H.F.: Ja, erstmal Danke für das Kompliment! Viel Technik kommt bei uns eigentlich gar nicht zum Einsatz, da unser Live-Equipment ja hauptsächlich für den guten Sound sorgt. Im Studio benutzen wir zusätzlich nur sehr gute Mikros, die diesen Sound optimal transportieren. Das Grundgerüst der Songs haben wir zu dritt in einem Raum eingespielt, um den Live-Charakter zu erhalten. Dann kamen noch Gesang und ein paar Overdubs drüber und natürlich wurde noch an dem einen oder anderen Solo herumgefeilt. Später hat Sascha Kühn dann wieder einmal brillante Orgeltracks eingespielt und zum Schluss hat Brenda Boykin souverän in einem Take Blues Music eingesungen. Zum Abmischen und Mastern haben wir uns dann zusammengesetzt, Milchkaffee getrunken und am endgültigen Sound herumgefeilt.

HoR: Auf "Get Closer" erleben wir einen ungewohnt funkigen und teilweise auch souligen Henrik Freischlader. Selbst die wenigen Balladen klingen recht feurig. Ist das mehr Zufall oder hattest Du irgendwelche Visionen bzw. haben Dich andere Künstler in letzter Zeit inspiriert.
H.F.: Am meisten inspiriert mich meine Band. Bei den Soundchecks sind wir nach den langen Fahrten mit nervenden Staus immer besonders spielfreudig und probieren viel aus, machen einfach Session. Dabei, und auch bei den Konzerten selbst, entstehen viele neue Ideen. Wir versuchen immer, kein Konzert wie das andere zu spielen und lassen uns gegenseitig alle Freiheiten, so entstehen immer wieder neue Songs. Natürlich inspirieren mich darüber hinaus viele andere Künstler, ich höre privat sehr viel und bin immer auf der Suche nach guter Musik. Johnny Guitar Watson, Gary Moore, Lucky Peterson, Keb Mo, Doyle Bramhall II, John Mayer etc. sind nur wenige die mir spontan einfallen...

HoR: Zeitgleich zu "Get Closer" erschien ja auch Gary Moores neuester Longplayer. Und hier tun sich musikalische Welten auf. Auf der einen Seite der junge, ideenreiche und hungrige Blueser - auf der anderen Seite die Blues-Legende, die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Wie siehst Du das?
H.F.: Das sehe ich total anders. Gary Moore ist der Grund dafür, dass ich überhaupt irgendwann zum Blues gefunden, und zur Gitarre gegriffen habe. Mit 14 habe ich in einem Lokal zufällig Cold Day In Hell von seinem Album "After Hours" gehört und war wie elektrisiert von diesem Sound. Durch ihn und seine vielen großartigen Alben, die ich mir dann natürlich so schnell wie möglich besorgt hatte, bin ich nach und nach auf die anderen großen Bluesmusiker gestoßen wie B.B. King, Albert King, Albert Collins und Peter Green.
Erst vor kurzem war ich auf 3 seiner 5 Deutschland Konzerte und bin wie immer fasziniert. Er ist wieder dermaßen gut drauf, spielfreudig, mit neuen Ideen, interessanten Arrangements und beeindruckendem Gesang. Was sein neues Album betrifft, können die Meinungen sicherlich auseinander gehen. Es ist immer schwer es jedem oder auch nur den meisten recht zu machen. Viele erwarten wahrscheinlich wieder ein Album wie "Still Got The Blues" oder "After Hours", das ist natürlich wenig tolerant und diese Erwartung muss zwangsläufig enttäuscht werden. Gary Moore probiert eben immer wieder neue Dinge aus und inspiriert Leute wie mich ungemein.
Bei "Get Closer" fehlt auch vielen Fans der "brachiale" Bluesrock, es gibt mehr Balladen und Funk-Nummern, was nicht jedem gefällt. Dafür gibt es dann wieder neue Hörer, die über die ruhigeren Nummern und durch frische, moderne Grooves an Blues und Bluesrock herangeführt werden.

HoR: Die Klasse der beteiligten Musiker auf "Get Closer" ist unbestritten. Überrascht hat mich allerdings Schlagzeuger Dirk Sengotta. Mir scheint, da trommelt einer der besten deutschen Drummer. Selten hab ich auf einer Bluesscheibe solch vertrackte und gleichzeitig filigran voluminöse Drums gehört. Dave Weckl und Dennis Chambers lassen grüßen. Wer war für die tollen Arrangements verantwortlich?
H.F.: Die Arrangements kommen in der Regel von mir und waren natürlich beabsichtigt! Genau auf die Qualitäten von Olli und Dirk zugeschnitten. Das ist eben ein großer Teil meiner Inspiration, für keine andere Band hätte ich die neuen Songs schreiben wollen.

HoR: Eure Live Termine haben sich ja seit "The Blues" mehr als verdreifacht. Ist das Stress oder mehr Inspiration für Dich. Hast Du überhaupt noch genügend Zeit fürs Songwriting?
H.F.: Ich freue mich in erster Linie über das große Interesse und bin dankbar für diese tolle Entwicklung. Wir spielen sehr gerne live und können eigentlich nicht genug davon bekommen. Aber zugegeben, es wird immer stressiger für mich, ich mache ja noch alles selbst, das komplette Management incl. Booking. Das ist nicht immer ganz einfach. Besonders Anfang des Jahres, als unsere CD noch nicht fertig, aber die Bonamassa-Tour bereits beschlossene Sache war, da bin ich doch etwas ins Schleudern geraten, weil ich zum Schluss für die ganzen Texte praktisch nur zwei Tage Zeit hatte.
Wahrscheinlich braucht meine Inspiration diesen Schaffensdruck, und ich hätte anderenfalls vielleicht zwei Monate vor einem leeren Blatt Papier gesessen, haha.

HoR: Erzähl etwas über den Ablauf eines normalen Gigs. Wer baut auf, wer ist der Meister des Soundchecks und wer hält die Groupies (haha) bei Laune.
H.F.: Das ist manchmal recht heftig und auch echte Knochenarbeit. Als wir den Gig im Quasimodo in Berlin hatten, standen wir hoffnungslos im Stau, kamen viel zu spät und mussten den Soundcheck quasi als Ouvertüre zum Gig gestalten. Nach 10 Stunden Autofahrt, schleppen, aufbauen, Sound checken... sind wir alle drei ziemlich k.o., aber kaum haben wir angefangen zu spielen, ist die Müdigkeit wie weggeblasen. Für uns ist so ein Gig wirklich eine Energiequelle. Das Publikum nimmt diese Energie immer dankbar auf und dadurch entwickelt sich meistens eine super Stimmung mit viel Feeling und guter Laune, sodass wir immer ein sehr gutes Feedback erhalten.

HoR: Hast Du inzwischen wieder einige neue Gitarren in Deiner Sammlung?
H.F.: Seit unserem letzten Interview sind eine total "abgerockte" Fender Telecaster von 1969, eine Fender Stratocaster von 1976 und eine Gibson ES-335 aus den Neunzigern mit einem reparierten Kopfplattenbruch dazu gekommen. Alle drei kommen auf dem neuen Album zum Einsatz.

HoR: Welche CDs der letzten Monate sind Deine persönlichen Favoriten. Welche Musiker haben Dich in letzter Zeit besonders beeindruckt.
H.F.: Gary Moore. In letzter Zeit haben mich auch alle 4 CDs von Doyle Bramhall II auf meinen Fahrten immer begleitet, er gefällt mir sehr. Er spielt Bluesrock im Stil von Hendrix und SRV, trotzdem sind es richtige Songs. Besonders gefällt mir auch der offene und ehrliche Sound. Sehr empfehlenswert, unbedingt reinhören oder blind kaufen. Keb Mo ist immer schon einer meiner Favoriten gewesen, besonders seine Texte und die ulkigen Ideen machen seine Musik so besonders, und gerade auch wieder der natürliche Sound. Ich habe ihn vor kurzen erst auf dem North Sea Jazz Festival in Rotterdam live gesehen und war unwahrscheinlich begeistert.

HoR: Gibt es Pläne für eine Live-DVD? Das Songmaterial reicht ja inzwischen (Coverversionen nicht berücksichtigt) locker für ein 3 Stunden Werk.
H.F.: Das stimmt, jetzt haben wir ein schönes Programm mit hauptsächlich eigenen Stücken, das sich gut für eine Live CD mit DVD eignet. Das ist auch unser Plan für das dritte Album. Wir würden uns freuen, wenn es klappt.

HoR: Zum Schluss. Wie sieht die musikalische Zukunft aus. Ein neues Album im nächsten Jahr und eine Tour durch die Staaten. Und vielen Dank für das Gespräch.
H.F.: Eine Tour durch die Staaten wäre natürlich schön, aber ich glaube, auch ein bisschen zu hoch gegriffen. Da müssen wir wohl realistisch bleiben und erst einmal auf eine Einladung warten. Allerdings haben wir gerade erst in Frankreich gespielt und wurden sehr enthusiastisch empfangen. Wir konnten viele neue Kontakte knüpfen, sodass es mit etwas Glück in 2008 eine Frankreich-Tour geben wird.

Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 04.09.2007

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