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Interview:
Rickey Medlocke |
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Ein gutes Jahr nach dem Gespräch mit Johnny Van Zant endlich die Gelegenheit auf Neuigkeiten aus dem Hause LYNYRD SKYNYRD. Rickey Medlocke: Hey, wie geht's Dir? Mir geht es wunderbar, wir sind grade wieder ein bisschen auf Tour und zwar bis Ende Oktober. Dann brauche ich wohl ein wenig Urlaub, ausruhen und dann schauen wir mal, wie es mit der nächsten Platte vorangeht. Home of Rock: Spielt Ihr heute (20.07.2004)? R.M.: Ja ja, wir sind in Wichita, Kansas und haben nachher ein Konzert. HoR: Wieder vor 15.000 Leuten? R.M.: Yep, läuft schon klasse. Die Platten verkaufen sich auch gut, "Vicious Cycle" ist kurz vor Gold und die "Thyrty" (Compilation von Universal Records, 2003) geht auf Platin zu. HoR: Vor ein paar Jahren sah das noch nicht so erfreulich aus... R.M.: Hm, als wir Leon vor drei Jahren (27.07.2001) verloren haben und als Gary letztes Jahr mit seinen Herzproblemen kämpfte, da standen wir schon mehr oder weniger an einem Scheideweg. Aber weißt Du was, wir sind street survivors und wir sind wieder da und machen weiter. Und jetzt geht es auch allen wieder blendend. HoR: Du bist jetzt seit beinahe 30 Jahren als "recording artist" unterwegs. Was ist das 2004 für ein Gefühl? Fühlst Du Dich da auch als street survivor? R.M.: Ja schon, es ist ja nicht nur LYNYRD SKYNYRD, sondern auch meine alte Band, mit der ich unterwegs war. Wenn du anfängst, dann gehst du in diesen Tunnel, der heißt Karriere, und wenn du Glück hast, dann kommst du am anderen Ende wieder lebend raus und hattest vielleicht auch noch Erfolg. Aber in diesem Tunnel kämpfst du mit so vielen Sachen... Business, Egos, Neid, Eifersucht. Ich hatte das Glück und deswegen bin ich wohl ein street survivor. Das hat doch schon angefangen mit dieser großartigen Zeit mit BLACKFOOT und geht jetzt mit Lynyrd Skynyrd glücklicherweise weiter. Natürlich waren da auch üble Zeiten dabei, Tragödien und all der Mist. Du hast halt nicht immer ein Royal Flush. HoR: Ich nehm Dich beim Wort. R.M.: Hahaha... HoR: Ich mochte "Vicious Cycle" nicht besonders, aber live war das doch verdammt frisch. R.M.: Weißt Du, wenn wir spielen, dann wollen wir volle Power geben, wir touren beinahe immer, aber viele Leute sehen uns nur alle paar Jahre, wenn wir kommen und grade mal eine neue Platte promoten und dann passt denen vielleicht die aktuelle Setlist nicht... HoR: Wieso? Ihr spielt doch eh nur die alten Nummern. R.M.: Na ja, wir versuchen schon zu mischen. HoR: Ich denke, 3 1/2 Stunden LS wären dann genug. Euer Publikum wird auch nicht jünger. R.M.: Das ist übrigens interessant. Hier in den Staaten haben wir inzwischen ein dermaßen junges Publikum, natürlich geht es über drei Generationen, aber es sind so viele Leute zwischen 18 und 35 dabei. Das hält natürlich auch uns, die Band, jung und frisch. HoR: Wo ist denn nach 8 Jahren und ungezählten Malen Sweet Home Alabama überhaupt noch eine Herausforderung? R.M.: Ich denke, die eigentliche Herausforderung sind die 22 Stunden am Tag, die du irgendwie totschlagen musst. Reisen, Warten, Hotelzimmer, wochenlang von der Familie weg sein, immer die Koffer... Das ist nicht für jedermann. Ich hatte das Glück, dass ich mit meinem Großvater Shorty von klein an immer unterwegs war. Ich bin reisend aufgewachsen und ich liebe es; Freunde treffen, neue Leute kennenlernen, ich bin natürlich auch gerne zuhause, aber das versuche ich einigermaßen im Gleichgewicht zu halten. Ich habe wohl einen travelin' bone im Körper, I love to move. HoR: Vor ein paar Wochen kam die "Lyve - The Vicious Cycle Tour"-CD und DVD auf den Markt. Die zeigt eigentlich schon ziemlich genau, was LS 2003 bzw. 2004 live darstellen. Aber wer hatte diese Idee mit dem Geigenorchester? R.M.: Wir wollten einfach das Original mit den Strings und Horns, so wie die Jungs das damals im Studio gemacht haben, live reproduzieren. Also mit Jim Horn, der schon damals dabei war. HoR: Ihr macht das aber nicht öfter? R.M.: It's only a one-time shot! HoR: In Europa haben wir ein paar kritische Stimmen zu Euch, inklusive meiner. Zum Beispiel, dass Ihr direkt nach Leon's Tod mit der Tour weitergemacht habt. R.M.: Da musst Du wissen und verstehen, dass es Leon so gewünscht hat. Weißt Du, die Kritiker sollen doch sagen was sie wollen. Die sollen sich doch unsere Schuhe anziehen! Glauben die denn, für uns war das nicht hart? Aber ich sag es Dir noch mal: Wir waren ganz ganz kurz davor, die Sache zu beenden. HoR: Das sollte man so akzeptieren, auch als Kritiker. R.M.: Ich hoffe. Es ist keine Respektlosigkeit Leon oder irgend jemandem anderen gegenüber! Leon war, ist und bleibt für immer ein großer Name in der Rockhistory. Und das gilt auch für die anderen Jungs. Ich meine, Ronnies jüngerer Bruder singt SEINE Songs jeden Abend und dieser Kerl (Johnny) hat immerhin seinen Bruder verloren. Wir haben alle Brüder verloren und es kommt immer näher, dass wir noch mehr Brüder verlieren. Für einen Musiker ist es die größte Art von Respekt, wenn andere seine Songs spielen. HoR: Du hast ja mittlerweile auch eine Menge Songs für Skynyrd geschrieben. Warum spielt Ihr denn nicht ein paar mehr. Von alten Blackfoot Nummern mag ich gar nicht reden... R.M.: Na ja, die Mehrheit im Publikum will halt ihre alten Favoriten hören. Wir versuchen, immer ein paar Sachen von der neuen Platte einzubauen und da wechseln wir auch immer mal wieder durch. Und dann haben wir nur eine Stunde und fünfundvierzig Minuten, da kannst du nicht alles spielen. Klar, Free Bird und Alabama und Simple Man oder That Smell musst du einfach machen. HoR: Du hast sicherlich auch die Gerüchte und die letztendliche Entscheidung gehört, BLACKFOOT wiederzuvereinen. R.M.: Hahaha... HoR: Keine Lust mitzumachen? R.M.: Ich habe diese Frage nun doch schon öfter gehört... HoR: Haben sie Dich denn nicht gefragt? R.M.: Doch. Aber das hat völlig falsch angefangen. Plötzlich kommen irgendwelche Leute daher und starten eine Petition im Internet. Das war der Moment, wo ich das massive Gefühl hatte, dass mir da etwas aufgezwungen werden soll. Ich wurde im Prinzip auch ein bisschen unter Druck gesetzt. Gut, ich verstehe das bis zu einem gewissen Punkt, aber ich bin nur eine einzige Person und wenn ich das mit Blackfoot hätte machen sollen (oder wollen), dann hätte ich bei Lynyrd Skynyrd aufhören müssen. HoR: Neun von zehn gehen in die Hose. Und künstlerisch sowieso. R.M.: Richtig, absolut richtig. Frag all die Leute, die sich solche Bands angeschaut haben. Die meisten sagen doch "es war gut, aber letztendlich doch nicht das was wir uns eigentlich vorgestellt haben, nicht mehr so wie früher...". Ja natürlich ist es nicht mehr so wie früher! 20 Jahre später! Eine Menge Whiskey ist derweil unter der Brücke durchgeflossen. HoR: Ich habe Dich unter dem Namen Blackfoot 1991 zuletzt gesehen. Da richte ich doch einfach mal schöne Grüße von Georg Bayer von LIZARD aus, mit denen Ihr damals unterwegs wart. R.M.: Cool, ich erinnere mich natürlich. Danke und richte ihm auch welche aus. HoR: Ich fand das damals übel! Das war doch nicht Blackfoot. R.M.: I was at a crossroad at that time... HoR: Noch ein Statement, das man akzeptieren muss. R.M.: Ich verstehe auch die andere Sichtweise. Aber ich bezweifle, dass sie den alten Spirit wieder hinkriegen. Ich will vorwärts schauen. Mein Schlusswort zu der Sache: Du bist immer nur so gut, wie dich die Leute zuletzt in Erinnerung behalten. Und wenn diese Reunion schief geht... HoR: Wird es bei Euch weitere Experimente wie mit Gimme Back My Bullets mit Kid Rock geben? Du warst ja da nicht unbeteiligt an der Idee. R.M.: Keine Ahnung. Im Herbst kommt jedenfalls eine Skynyrd-Tribute-CD mit Kid Rock und Bands wie METALLICA, 3 DOORS DOWN und so weiter. Ich weiß nicht, ob wir so etwas noch mal machen oder bei der einen oder anderen Band mitmachen, möglich ist alles. HoR: Mir gefällt Gimme Back My Bullets in dieser neuen Version übrigens nicht. R.M.: Hohoho... HoR: Rickey, ich danke Dir für die Zeit und hoffe, dass wir Euch nächstes Jahr wieder sehen. Von mir aus auch mit den Allman Brothers... R.M.: Sag den Leuten, dass wir gerne kommen. Alles Gute Euch allen da drüben! Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.07.2004
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