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Heute gibt es mal ein Interview der etwas anderen Art. Gemeinsam mit unserem Gastschreiber und MOTÖRHEAD-Experten Tim Werner begab sich der Redakteur in den berühmt-berüchtigten Frankfurter Stadtteil Rödelheim, um die dort seit kurzem in neuen Räumen untergebrachten Macher von Waggle Daggle, Recordlabel, Vertriebs- und Promotionagentur am Vorabend der Labelparty zu einem kurzen Plausch aufzusuchen. Für das Interview stand dann einer der Chefs, Daniel Theuerkaufer, zur Verfügung.
Home of Rock: Ihr seid jetzt in den neuen Räumen. Seit dem 01.09.2005. Wie kam es dazu und kannst Du uns ein bisschen über Waggle Daggle erzählen, über die Geschichte und wie Ihr Euch so entwickelt habt?
Daniel: Gut. Waggle Daggle ist im Jahre 2003 gestartet als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts; Anm. d. Red.), so richtig als Firma. Vorher war das ein Hobby. Wir haben in der eigenen Wohnung angefangen, haben uns dann ein Büro gesucht im Bunker und jetzt haben wir wie gesagt ab 1.09.2005 diese Räume hier bezogen, die Hazlewood Records auch schon benutzen, weil wir hier eben mehr Platz haben, das Studio benutzen können und hier gibt es auch, wie es so schön heißt, Synergie-Effekte.
(Zum einen ist Hazlewood ein bekannter Name, zum anderen befinden sich die Räume in einem Komplex mit Druckerei, PA-Verleih und sonstigen gewerblichen Objekten; Anm. d. Red.).
Waggle Daggle Records hat am Anfang mit der Band VERLEN, die eben von Anfang an dabei sind, gearbeitet und mit der Zeit sind mehrere Bands hinzugekommen, wir sind jetzt gerade bei sechs Bands, erstmal. Wobei sechs Bands auch schon eine Menge Arbeit sind für zwei Jungs, die das komplett rundum betreuen. Das sind VERLEN, SKAGEN, SUSHIMOB, CLOROFORM jetzt ganz neu dazugekommen, ROSAPOWERCLUB, muss man mal kucken, ob die noch ein Album machen werden und dann noch LADA, auch neu dazugekommen aus Frankfurt.
Am Anfang haben wir Bands von hier gemacht, was damit zu tun hatte, weil wir beide halt viel in der Szene unterwegs sind, auf Konzerten, die Leute alle kennen und gesagt haben, ok, wir wollen Musik von hier fördern. Dann haben wir aber auch zum Beispiel SKAGEN aus Köln dabei, weil ich die von früher noch kannte und mit CLOROFORM aus Norwegen ist nun noch eine Band von ganz weit weg dabei.
Wir haben klein angefangen, klar, da man erstmal gucken muss, was man machen kann, jetzt haben wir dann letztes Jahr einen Vertrieb gefunden für unseren kompletten Labelkatalog, das heißt wir können auch mit ein bisschen mehr Gelassenheit irgendwelche Platten herausbringen, weil wir wissen, ok, die werden auch in die Läden transportiert. Und da sind wir halt nicht nur auf die Region angewiesen, also hier zu operieren.
HoR: Wenn wir gerade bei den Bands sind: Was gibt es für aktuelle Releases bei Euch?
Daniel: Wir haben uns ein wenig Zeit gelassen seit der letzten, das war die VERLEN, die kam am 21. März dieses Jahres. Dann war für uns erstmal die Sommerfestival-Saison und da bringt man ja auch keine Platten heraus, weil im Sommer kauft kaum jemand Platten und im Sommer sind wir selbst auch lieber draußen, als drinnen am Computer zu sitzen. Jetzt haben wir am 14.11. SKAGEN, das ist so IndieFolk aus Köln und am 28.11. CLOROFORM, also beides recht dicht hintereinander. Und dann ist für dieses Jahr erstmal wieder Schluss. Wir rechnen halt pro CD so etwa drei Monate Vorarbeitszeit mit ein, das heißt Vorbereitung vom Cover, Internetseite für die Band u.s.w. dann müssen wir ja auch Promo dafür machen, das heißt wir müssen sie an alle Magazine wie Euch verschicken, wir müssen das abtelefonieren, wie das ankam, ob etwas darüber geschrieben wird und wenn man die ganze Zeit berechnet, ist das Jahr für uns erstmal voll damit und nächstes Jahr geht es dann weiter mit SUSHIMOB und mal gucken was dann sonst noch so kommt.
Ich habe noch ein paar Sachen im Auge, auf jeden Fall, und jetzt machen wir zum Beispiel morgen mal die Party, da laden wir auch sehr viel Presse und Künstler ein, um sich mal kennenzulernen. Denn wir wollen, bevor wir mit jemanden arbeiten, schon erstmal gucken, wer das ist.
Dann gibt es weitere Releases im Frühjahr und danach ist dann schon wieder die VERLEN-CD dran. Und so nimmt das seinen Lauf. Wenn man dann über sechs Bands hat, nächstes Jahr, dann sind es so viele, dass man eigentlich keine weiteren bräuchte, denn wenn jede im Abstand von zwei Monaten ein Jahr herausbringt, ist das Jahr schon wieder vorbei.
HoR: Ihr bietet die Studios ja auch für Bands an. Wie läuft das im Einzelnen ab, kannst Du da etwas darüber sagen?
Daniel: Genau, also allgemein gesagt sind wir zum einen das klassische Label, das Platten herausbringt, aber wir bieten sozusagen das ganze Rundumpaket als Dienstleistung auch an, also alles was wir im eigenen Haus verwenden geben wir auch anderen gerne mit. Das heißt, wenn jemand eine Promoaktion für seine CD haben will, machen wir die auch, haben wir auch schon 2-3 mal gemacht.
Was wir noch machen, ist Internetseiten für Bands bauen und so was. Das haben wir halt mal für uns selbst gemacht und dann wissen wir auch, worauf es ankommt, wenn wir Promoaktionen machen, was vielen Bands eben an Wissen fehlt. Wir wollen halt, dass die Bands im Probenraum einfach zocken, sich um den Rest wenig Gedanken machen müssen und wir das Organisatorische für die erledigen, wenn die das möchten.
Und das mit dem Studio gehört eben auch zum Angebotsumfang dazu. Man kann als Band ganz normal das Studio mieten, wie das so üblich ist, aber wir überlegen auch, Bands die uns besonders gut gefallen, da aufnehmen zu lassen und dann mehr aus der CD zu machen. Das können wir natürlich niemandem versprechen, aber das gibt es dann schon einmal, das wir Leute kennenlernen, die können dann direkt aufnehmen und dann wenn wir die Platte aufnehmen ist klar, dass alle an den Kosten gespart haben. Ansonsten wird, wie gesagt, das Studio vermietet. Der Preis ist klare Verhandlungssache und liegt so bei 300 bis 350 Euro am Tag und wenn man ein Wochenende haben will, um eine EP schnell aufzunehmen, gibt es einen Paketpreis, da ist man dann vielleicht bei 500 Euro, inklusive Techniker natürlich.
HoR: Die Studios sind ja auch nicht ganz unbekannt.
Daniel: Hazelwood, das Label, hat die Studios gebaut. Wir sind, dadurch, dass wir mit denen befreundet sind, auch hier mit drin und nutzen das alles gemeinsam. Das gibt es schon seit etlichen Jahren, Hazelwood seit 10 Jahren und dieses Studio, so wie es hier steht, seit 4 oder 5 Jahren.
Du spielst wahrscheinlich darauf an, dass schon einige Größen hier waren. Ob man nun sagen kann, dass sie mit Absicht oder aus Zufall hier waren, kann man gar nicht so genau sagen. Es war natürlich der Lemmy Kilmister hier und hat eine Single aufgenommen während der Tour für MOTÖRHEAD. Da können wir aber nur darüber munkeln, ob er hier war, weil er in die Gelben Seiten geguckt hat oder weil er gefragt hat "sag mal, welches ist hier das beste Tonstudio?". Könnte natürlich sein, dass es letzteres war, denn es ist schon relativ groß (ca. 100 qm; Anm. d. Red.) und hoch qualitativ eingerichtet und er ist ein Rocker, wir sind Rocker, daher passt das ganz gut zusammen.
Was ich jetzt selbst nur vom Erzählen weiß, weil das vor meiner Zeit hier war, Barry White soll auch da gewesen sein. Was der hier gemacht hat, ob der gepennt oder aufgenommen hat, das kann ich euch gar nicht sagen. Weil, bei Barry White, da frage ich mich schon: Was hat der hier verloren? Vielleicht hat der auch nur was gesucht. Aber gut, Hazelwood nehmen auch alle ihre Bands hier auf und da sind ja schon etliche Platten entstanden, BROKEN BEATS zum Beispiel oder aus Frankfurt LOW 500, die eigentlich auch ganz gut laufen. Natürlich KING KHAN, der ist glaube ich mit der bekannteste. Mal gucken, was von uns dann noch kommt.
HoR: Was würdet Ihr als Eure Philosophie bezeichnen, so als Label?
Daniel: Also bei uns ist die Philosophie, das klingt jetzt ein bisschen dumm (singt): "We are family". Aber ein bisschen ist es so, dass wir mit unseren Bands auch befreundet sind oder vielleicht sind es auch unsere Bands, weil wir mit denen befreundet sind, das kann man jetzt gar nicht mehr auseinanderhalten.
Von allen unseren Bands sind der Mauri, der mit mir zusammen das Label macht, und ich Fans. Das ist so der Punkt. Wenn wir jetzt eine Band neu dazu nehmen, dann entsteht es meist dadurch, dass wir die CD gehört haben, also vielleicht ein Demo und dann selbst gedacht haben, oh, wie geil, das man gut dazu tanzen oder auch feiern kann. Also jetzt noch gar nicht so, dass wir sagen, wir würden eine Band nehmen, weil die sich kommerziell besonders gut macht, sondern immer erst weil sie uns besonders gut gefallen hat.
Aber, wenn uns eine Band gut gefallen hat, ist dann trotzdem der zweite Blick: Kann man daraus kommerziell etwas machen. Also kommerziell im Sinne von "bringt es überhaupt etwas mit denen eine CD zu machen", weil am Ende soll es ja nicht an die Freunde verschenkt werden, sondern schon im Laden landen.
Und die Philosophie bei uns, also wir haben ja von der Stilart ganz unterschiedliche Bands, aber die Gemeinsamkeit ist eben, wie wir zusammenarbeiten als Label mit den Künstlern und wie wir die Sachen herausbringen. Das entwickelt sich zum Beispiel gerade so, dass die Fans, die zuerst da waren, denen gefällt dann automatisch das andere auch, obwohl das ja wieder ganz anderes Zeug ist. Aber da haben wir vielleicht sogar gerade den Punkt erreicht, wo wir nicht nur Bandfans haben sondern Labelfans und das ist halt so weil wir auf eine sympathische Art und Weise gemeinsam vorwärts gehen.
HoR: Ihr habt natürlich auch Bands, die kein Publikum haben, dass so ganz engstirnig durchs Leben geht und auf einen Musikstil fixiert ist.
Daniel: Würde ich sagen, ja. Also es kommt ja allein aus der Szene heraus. Umgekehrt wäre das, wenn nur eine Band wäre, die dauernd im Radio gespielt würde, würden es die Leute total gut finden, weil es im Radio läuft und sich für den anderen Rest überhaupt nicht mehr interessieren. Das ist schon was für Musikliebhaber und wir leben ja in einer Informationsgesellschaft, das ist auch etwas für Leute, die sich ihre Informationen holen. Das ist ja nicht so, dass unsere Musik jedem vor die Füße getragen wird. Das wäre vielleicht auch einmal interessant, aber so weit ist es noch nicht.
HoR: Noch eine Frage zum Vertrieb, wer macht das jetzt, seid Ihr damit zufrieden und läuft das gut?
Daniel: Also wie gesagt, am 14.11. und 28.11. sind die nächsten Veröffentlichungsdaten, erst danach können wir dann sagen, wie es für dieses Jahr gelaufen ist. Aber wir haben dieses Jahr die VERLEN-Platte im Vertrieb gehabt und die LADA-Platte. Bei der VERLEN-Platte ist die Presse sehr, sehr gut gelaufen, da gibt sich das die Hand mit dem Vertrieb, der hat dann Argumentationshilfen und die Platte ist eigentlich ganz gut abgesetzt worden, da sind wir sehr zufrieden damit. Bei der LADA-Platte, die ist herausgekommen Ende September, da können wir noch gar nichts absehen, aber wir machen den Vertrieb mit Broken Silence, das sind teilweise Ex-EFA-Mitarbeiter in Hamburg und bisher funktioniert das super. Also, das ist jetzt so, dass wenn man anruft sofort auch eine Hilfestellung bekommt, wenn man es möchte, es läuft da, wie bei uns, alles Hand in Hand. Das Büro bei denen ist zwar größer, aber dennoch auch überschaubar und da sind wir wirklich sehr zufrieden.
Gerade moderne Dinge wie Onlinevertrieb zum Beispiel, Kaufdownload, wo man früher gesagt hat, das ist für uns gar kein Thema, findet jetzt auch statt. Und wenn es vielleicht auch nur 10 Songs im Monat sind, aber es findet auf jeden Fall statt über iTunes, Musicload und sonst was werden auch Titel von uns verkauft. Also da sind wir in jedem Fall sehr zufrieden.
HoR: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Waggle Daggle.
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