HoR Logo kl

Konzertbericht:

Brian Wilson

Frankfurt, Alte Oper, 10.03.2004

Logo Home-of-Rock
Startseite > Konzertberichte > Brian Wilson > Frankfurt, Alte Oper, 10.03.2004

Frankfurt, Alte Oper, 10.03.2004

Viel ist geschrieben worden um das nie veröffentlichte Gesamtkunstwerk "Smile" von Brian Wilson. Geplant als Veröffentlichung im Sommer 1967 als Nachfolger von "Pet Sounds", hat die LP leider offiziell nie einen Plattenteller erreicht. Gerüchteweise soll der Rest der Band Anfang 1967 nach einer Asien-Tournee, die wieder ohne Brian Wilson absolviert wurde, die Nase über seine Demos gerümpft und getobt haben, dass so etwas zu sperrig sei und nicht veröffentlicht werden könne.
"Smile" verschwand (für mehrere Jahrzehnte), Brian Wilson Wilson verschwand (für mehrere Monate) und ersatzweise wurden Teile veröffentlicht ('Heroes and villains', 'Good vibrations') bzw. es wurde 1967 der Longplayer "Smiley smile" auf den Markt geworfen, der kein Gegenpart zu "Sergeant Pepper" von den Beatles sein konnte.
Wer "Smile" weder als LP- oder CD-Bootleg hatte, konnte in der 5CD-Box "Good vibrations" 1994 endlich 11 trax hören und so in etwa vermuten, wie die LP als gesamtes geklungen hätte.

Wie schön, dass Brian Wilson seit einigen Jahren wieder intensiv Musik macht und nach US-Tourneen 1998-2000 sowie der "Pet sounds"-Tour 2002 nun für einige Konzerte nach Grossbritannien sowie für 4 Termine auf unseren Kontinent kommt. Ich war beim einzigen Deutschlandbesuch in Frankfurt dabei (nachdem ich vor 2 Jahren die Konzerte in Berlin und Hamburg leider verpaßt hatte) und ich muß sagen, dass mich seit 1971 selten ein Konzert so beindruckt hat.

Ein Wort zur "Halle": So schön die Alte Oper von draußen aussieht, so unmöglich ist die Atmosphäre drinnen. Klar, der Saal sieht hübscher aus als z.B. die Hamburg-Alsterdorfer Sporthalle oder die Halle Münsterland, aber die Atmosphäre ist kühl und abweisend. Saalordner auf Schritt und Tritt, die sogar zuerst versucht haben, standing ovations zu unterbinden!!

Das Konzert fing Punkt 8 im ausverkauften Saal an. Zunächst 20 Minuten akustisch mit Gitarre, Congas und "hand-clapping". Dabei standen die Musiker im Halbkreis um Brian Wilson herum, er saß versteinert (natürlich in schwarz gekleidet) auf einem Barhocker. Man versuchte scheinbar, die "Beach Boys Party Album"-Atmospähre irgendwie herzuzaubern. Dann gings elektrisch mit Sloop John B. weiter.
Die nächsten 35 Minuten ein "Best of Brian Wilson" mit u.a. California girls/In my room/God only knows und Sail on sailor: Alles meine absoluten Lieblingssongs, ich jubilierte.
Nach und nach kamen auch 5 Streicher und 3 Bläser auf die Bühne, gingen und kamen und gingen und kamen...

Dann 20 Minuten Pause und anschließend das (doch teilweise wirklich etwas sperrige) 50-minütige "Smile", was in Abschnitte unterteilt ist. Beginnend mit Oh prayer und Heroes and villains bis hin zu Surf's up und dem versöhnenden Good vibrations am Schluß.

Ich kann mir vorstellen, wie dieses Werk Anfang 1967 in den Ohren der restlichen BEACH BOYS geklungen haben mag: Auch heute noch ist es nicht leicht verdaulich. In den Vokalharmonien und der Instrumentierung allerdings in der Tat streckenweise ein absoluter Hammer.
Der Einsatz der Streicher und Bläser war fein dosiert und passte gut zur restlichen Band.
Kaum 30 Sekunden weg, schon kamen sie für einen 20-minütigen Zugabenblock "Best of Beach Boys" wieder: Do it again/Help me Rhonda/Surfin USA/Barbara Ann/I get around/Fun fun fun.

Schier unbeschreiblich: Man kennt die Live-CDs aus dem Roxy und von der "Pet Sounds"-Tour, aber LIVE ist das "Dabei-sein" ein unwahrscheinlich intensives Gefühl, wie ich es lange nicht mehr gehabt habe.
Neckisch, aber albern, waren hierbei die Showeinlagen der Streicher und Bläser, die mit ihren Instrumenten nicht mehr so recht zum Einsatz kamen. Alle waren nur kurz von der Bühne und nach 15 Sekunden direkt wieder da, um den langsamen Rausschmeißer Love & mercy zu bringen.

Uff, effektiv zwei 1/4 Stunden unwahrscheinlich tolle Musik.
Ich saß in der 11. Reihe schön mittig und konnte alles mitverfolgen. Brian Wilson war nicht so fahrig wie 2002 (auch als er im Juni '02 auf Queen Elisabeth's Geburtstag im Buckingham Park 5-6 Songs spielte); er hat kaum zu einem der beiden Monitore geschielt, auf denen die Songtexte per Teleprompter mitliefen.
Der Sound war etwas dünn; weiter hinter bzw. auf der Empore klang das Ganze bestimmt nicht mehr so gut.

Konzerte in Großbritannien sind aufgenommen und gefilmt worden, so dass es bestimmt wieder eine Audio-CD und eine DVD gibt: Prima.
Alles in allem ein super Konzert und meine Hochachtung, Brian Wilson!!

Jürgen Preuß, (Artikelliste), 12.03.2004

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > Konzertberichte > Brian Wilson > Frankfurt, Alte Oper, 10.03.2004

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum