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Fotos: Adelina Schmidtlein
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Wyzzard
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Crazy Catfish
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Flatman
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Lizard
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Mama, was macht der Mann da?
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Doc Holliday
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Eddie Stone
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Zwickau in Sachsen war mit 125.000 Einwohnern die dreizehntgrößte Stadt der Deutschen Demokratischen Republik und im Westen vor allem bekannt als Produktionsstätte des Trabant. Früher wurden dort auch Automobile von Audi, DKW, Horch und Wanderer hergestellt. Heute quält man sich mit erlogenen 19% Arbeitslosigkeit, deutlich unter 100.000 Einwohnern und einem hochsubventionierten aber modernen VW-Werk über die Runden. Dafür ist die Altstadt saniert, der Ruß des Arbeiter- und Bauernstaates von den Fassaden gekratzt und die Innenstadt mit einer wunderschönen Freilichtbühne im Schwanenteichpark gesegnet. Früher konnte man dort Bands aus dem nichtsozialistischen Ausland nicht sehen. Heute interessiert sich kein Schwein dafür, selbst wenn die Tickets nur 10 Euro im Vorverkauf kosten. Der Dank für 15 Jahre Wiedervereinigung...
Über den langen Tag mit 6 Bands gesehen, haben sich vielleicht insgesamt 300 Menschen in das Amphitheater mit den historischen Gebäuden im Hintergrund verlaufen. Gut, zwischendurch hat es immer mal wieder ein bisschen geregnet, aber ich finde es eher verstörend, wenn man als Bayer die Hälfte der Besucher eines Konzertes in Sachsen persönlich kennt. Ist die Szene von Inzucht geprägt? Irgendwie bezeichnend, dass am gleichen Tag Inge Meysel, die Mutter aller Southernrocker, mit 94 starb.
Los ging es pünktlich um Drei mit den Lokalmatadoren WYZZARD. Retro-Hardrock mit Anleihen bei BLACK SABBATH, HAWKWIND, den GROUNDHOGS, DEEP PURPLE und natürlich inspiriert von Lemmy. Grundgut und brav, jedoch mit durchaus verbesserungswürdiger Gesangsleistung.
ALBATROS haben nichts zu tun mit dem gleichnamigen Hit der unsäglichen Ostalgie-Kapelle KARAT. Die Band ALBATROS gibt es seit 1978. Obwohl sie keine Amiga-Recording-Artists waren (oder wie immer sich das bei den Genossen nannte), gab es 1980 den Förderpreis des Zentralrats der FDJ und die Auszeichnung als beste Tanzkapelle des Bezirks Rostock. Alle Achtung, was ist dagegen ein Bild auf der Titelseite des Rolling Stone...
Heute covern sich ALBATROS durch den Sound von Vorbildern wie Tom Petty, Neil Young, Willy DeVille ("Sachsen-Swamp-Music") oder Bruce Springsteen - wieder hat sich bewiesen, dass The River eines der langweiligsten Stücke der Geschichte ist. Also eine Mischung aus Westcoast, Americana, Country und Folk. Der Leser weiß, das ist nicht unbedingt meine Mugge, aber es klang nicht schäbig, was die Veteranen wahlweise mit zwei akustischen Gitarren oder zwei Fender-Stromrudern zu angenehmen Gesang absonderten.
Normalerweise würde ich keiner Band dieser Erde in ihr künstlerisches Erscheinungsbild dreinreden. Entweder es gefällt mir oder es gefällt mir nicht. Bei CRAZY CATFISH muss ich eine Ausnahme machen. Die Band gefällt mir nämlich und trotzdem muss ich dringend einen "Stil- und Gesamtanmutungsberater" empfehlen. Die Band ist eigentlich richtig spektakulär mit ihrem Kontrabassisten, der das Monster verprügelt wie eine Leadgitarre, und dem hervorragenden Gitarristen. Aber: Bedient man sich an Klassikern a la It's All Over Now in der MOLLY HATCHET-Highspeedversion und diversen anderen Southernrock-Hymnen, muss auch der Gesang passen und wenn man schon Tush darbringt, dann bitte eben nicht mit der Dobro, sondern so druckvoll wie es sein muss. Die Blechschüssel hätte genügend bessere Einsatzmöglichkeiten verdient.
Trotzdem, CRAZY CATFISH sind eine gute Band, die allerdings ihren eigenen Spaß zu Lasten der Songdienlichkeit und Bühnenpräsenz in den Vordergrund stellt. Das klappt in einem kleinen Club hervorragend, auf einer großen Open Air Bühne wirkt es verloren.
Ein paar Worte zur Location. Ich habe selten einen so schönen Rahmen für Open Airs gesehen. Leicht ansteigende Naturtribüne im bewährten altgriechischen Stil, riesige Bühnenfläche, tolle Gebäude im Hintergrund, kleiner und schnuckeliger als beispielsweise die Waldbühne in Berlin, etwa vergleichbar mit der Loreley oder dem Theatron in München, allerdings mit weniger Beton. Ein kleiner Nachteil ist die relativ weit hinten angelegte überdachte eigentliche Auftrittsfläche. Das könnte man durchaus weiter nach vorne rücken, der Kontakt zum Publikum (so es denn anwesend ist) wäre deutlich erleichtert. Trotzdem, vor 3.000 Menschen dürfte dort jede Band der Welt einen Höhepunkt erleben. Dafür ist allerdings die Stadt und nicht der jeweilige Veranstalter verantwortlich. Auch die Bühnenbeleuchtung ist nicht sonderlich fotografenfreundlich angebracht. Die Drummer sitzen konsequent im Dunkeln. Aber daran kann man arbeiten.
Keine Ahnung was nach den Katzenfischen passiert ist, vielleicht war der Soundmann vom Anblick der drei Gitarren von FLATMAN erschrocken, plötzlich stimmte der Sound nicht mehr. Es klang nicht druckvoll genug, verwaschen, falsch ausgesteuert, der Gesang stellenweise zu laut, die Gitarren ungleich verteilt. Dabei hatten die Jungs doch endlich ihre neue CD "Hell-Bent On Glory" dabei und sie legten auch los wie die Bürgerwehr von Jacksonville bei der Verfolgung der entflohenen Dalton Brüder (sind die Daltons jemals in Jacksonville gewesen?).
Wir haben keine vergleichbare Band in Europa. Mit diesem Line-up, der nicht zu erklärenden Geistesverwandtschaft zwischen Shouter Stefan Kossmann und einem gewissen Ronnie Van Zant, den gnadenlos nach vorne gehenden Songs der ersten CD "A Bottle Of Booze" und dem deutlich reiferen - obgleich noch härteren - Material der neuen Scheibe und dem alle feuchten Klischee-Träume bedienenden Stageacting. FLATMAN sind in den beiden letzten Jahren immer besser geworden und das Ende ist noch nicht erreicht.
Allerdings, das habe ich bereits in früheren Artikeln erwähnt, sind FLATMAN nach wie vor von äußeren Umständen beeindruckbar. Kein Musiker spielt gerne auf leere Sitzreihen, aber ein wenig mehr "Anmache" hätten die wenigen Anwesenden verdient gehabt. Trotzdem ein toller Auftritt, die neuen Songs knallen wunderbar ins Ohr und von dort ins Tanzbein. Grund genug, das eine und andere SKYNYRD-Cover aus dem Programm zu nehmen. Ihr habt jetzt genug eigenes Material!
Die anwesenden Rockers hatten jedenfalls durch die Bank Spaß mit dem Auftritt und normalerweise sollte mit FLATMAN nichts mehr schief gehen. Haut rein, Freunde!
Von gar nichts mehr lassen sich LIZARD die Laune vermiesen. Lustlose oder gar schlechte Auftritte gibt es bei dieser Band nicht und wenn man nach knapp 90 Minuten in die Gesichter der Fans geschaut hat, sah man die Freude über das beste - lebende und noch nicht in Kultstatus erstarrte - Gitarren-Doppel der Jetztzeit, über die besten Songs, die eine europäische Band jemals zum Thema Southern Rock und Verwandte geschrieben hat und über eine Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht.
Diesmal sind sie ohne Keyboarder angetreten, doch das ändert nichts an der Klasse. Es gibt halt ein paar Gitarren mehr zum Ausgleich.
Wenn ich zu FLATMAN sage "Haut rein", dann sage ich zu Georg Bayer und seiner Band: Macht keinen Unfug und weiter!
Und dann gibt es noch einen, der alle übertrifft. Bruce Brookshire heißt er und er ist der beste Entertainer im Rockbusiness. Wenn der kleine Prediger aus Macon auf eine Bühne tritt, ist die voll und er würde auch eine komplett leere Arena zum ausrasten bringen. Auf niemanden passt die Bezeichnung "coole Sau" besser.
Seitdem DOC HOLLIDAY verkaufstechnisch nicht mehr erste Liga sind - und das ist schon eine ganze Weile - wird es immer lässiger und entspannter. Keine Versuche mehr, sich irgend einem Trend anzuhängen, einfach nur Good Time Music. Und diesmal hatte Mr. Brookshire eine besondere Überraschung im Gepäck. Anstatt John Turner Samuelson war Christoph Berner von LIZARD an der zweiten Gitarre und es stellt sich rückblickend die Frage: Warum erst jetzt? Mag Bruce nicht mit guten Gitarristen spielen? Da waren so viele Feinheiten eingebaut, so viele Zaubertricks versteckt, dass der Fan mit tränendem Auge und grinsender Mine danebenstand. Ich auch, selbst wenn ich D.H. schon in zig verschiedenen Inkarnationen gesehen habe. Alleine wegen diesem kleinen Line-up Wechsel war der Auftritt etwas ganz besonderes auch wenn die Setlist eher konventionell war. Die üblichen Klassiker, ein paar Nummern vom letzten Album "Good Time Music" und als Draufgabe zwei Songs von Eddie Stone und seinem aktuellen Soloalbum "Sittin' In". Wobei ich die anders gewählt hätte, zum Beispiel Fogerty's Almost Saturday Night kommt doch erfrischender als die gespielten Tracks. Für Herbst hat Eddie übrigens eine kleine Solotour in Aussicht gestellt.
Ich weiß nicht, wie oft man DOC HOLLIDAY noch live sehen wird. Mich überfällt immer ein leichtes Ziehen in der Magengegend, denn angesichts der Zuschauerresonanz könnte die eine und andere Band doch irgendwann die Lust verlieren. Und das täte mir im Fall von Bruce & Co. wesentlich mehr leid, als es der Abschied von anderen Legenden täte. Doc Holliday reiten immer noch, andere Bands verwalten ihren Nachlass und kümmern sich um die Rentenversorgung.
Ein paar mehr Bilder gibt es hier!
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