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Konzertbericht:
Eric SardinasMünchen, Metropolis, 11.04.2002 |
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Eric Sardinas - Guitar, Vocals Paul Loranger - Bass Scott Palacios - Drums Bei STEVE VAI, im Dezember, waren die Hallen von Gitarrenschülern gefüllt. Manche hatten ihre Freundinnen dabei. Sardinas war im Vorprogramm. Was kann es sein, das haufenweise Mädels in die Hallen zieht? Mehr als zwei Stunden Bluesrock und Boogie? Ich war ja schon bei vielen Konzerten, aber das wäre mir bisher noch nicht aufgefallen. Das ist aber natürlich nicht alles. Sardinas ist mit Sicherheit der ausgeflippteste (Blues) Gitarrist unserer Zeit. Keiner rast derart losgelöst zweieinhalb Stunden lang über die Bühne, keiner zelebriert so exaltiert jede einzelne Rockstarpose, die es seit der Erfindung von Elvis, Chuck Berry und Mick Jagger jemals gegeben hat, keiner schmeißt seine (Resonator-) Gitarre und seine Hüften so exstatisch durch die Gegend und keiner sieht dabei so gut aus. Alles bei Sardinas ist durchgestylt. Kein anderer Rocker würde sich heute noch in solchen Klamotten auf die Bühne trauen, ohne sich gnadenlos lächerlich zu machen. Seit Hendrix, Stevie Ray und Bowie sind glitzernde, knallenge, plüschige Hosen mit Schlag nämlich nicht mehr erlaubt gewesen. Dazu der tief ins Gesicht gezogene Cowboyhut, spitze, wilde Lederschuhe, Ringe, mit denen man Nebenbuhler erschlagen könnte und Haare, die den herstellenden Friseur reich machen. Es fehlen nur noch die Tattoos und fertig ist das Abziehbild des ausgestorbenen Rock-Dinosauriers. Ein Sardinas-Konzert ist eine One-Man-Show. Die beiden, vorzüglichen, Mitmusiker sind nur dazu da, den - hart rockenden - Hintergrund zu gestalten. Die Spots am Bühnenrand sind ausschließlich für den Meister reserviert. Das Programm besteht aus Nummern der zwei Cds, "Treat Me Right" und "Devil's Train", dazu kommen einige Bluesstandards, die man natürlich kennt, aber in solchen Versionen zwangsläufig noch nie gehört hat. Unglaublich, was der Mann mit seiner Gitarre und der röhrenden Stimme veranstaltet. Die ruhigen Momente sind rar. Kaum einmal wird das Tempo und die Lautstärke heruntergedreht. Auf jedes kurze, akustische Intro folgt sofort wieder tonnenschwerer Heavy-Blues oder ein infernalischer Boogie. Wird es wirklich mal sanfter, dient dies nur dem nächsten Showeffekt. Dann singt er nämlich mal ein Lied ohne Mikro und bebrüllt dabei die Halle ohne Strom. Weil er aber eine Röhre wie ein Nebelhorn hat, hört man seinen "unplugged" Gesang auch so noch außerhalb der Halle. Ab der Hälfte des Konzerts wird ohne Hemd gespielt. Wäre schließlich Verschwendung, die reichlich vorhandenen Tattoos nicht zu zeigen. Und die Ladies sollen sich auch nach einer Stunde Blues nicht langweilen. Sollte eine doch irgendwann auf die Uhr schauen, wird flugs von der Bühne gesprungen, durchs Publikum gewandert, von der Bar aus ein Solo abgelassen und der Waschbrettbauch mitsamt Knackarsch ausgiebig zur Schau gestellt. That's Rock & Roll. Nein, liebe Leserin, da schwingt kein bisschen Neid mit. Aber etwas mehr Beachtung könnte man mir doch schließlich auch schenken. Oder? Am Ende des Konzerts ist Mann fertig und Frau holt sich mit glänzenden Augen noch ein Autogram vom Helden. Der sieht unmittelbar nach Showende (und die war 150 Minuten lang purer Hochleistungssport) aus, als ob er grade der Wellnessfarm entsprungen wäre. Wie, zum Teufel, macht der das? Und noch zwei Fragen bleiben offen: Wie lange wird Sardinas in der Lage sein, solche Adrenalin-Shows zu veranstalten? Und wie wird die musikalische Weiterentwicklung aussehen? Denn irgendwann wird auch die letzte Bluesnote gespielt sein. Wir danken EPM für den, wie immer, tollen Support Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 12.04.2002
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