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Konzertbericht:Jethro TullSupp.: MashaMünchen, Zenith, 24.06.2003 |
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"Liebe Konzertbesucher! Im Namen von Jethro Tull bitten wir sie, das Rauchen einzustellen". Als ich Jethro Tull Ende der Siebziger erstmals gesehen habe, musste die Band von Kritikerseite schon heftige Haue einstecken. Klar, Punk und New Wave waren angesagt und Tull (erste LP 1968) gehörten zum verhassten Establishment und waren Fossile. Damals war gerade die sehr gute Doppel-LP "Live - Bursting Out" erschienen und wegen der ging ich in die Olympiahalle. Hat sich gelohnt, Tull waren mit einer kernigen Rock-Show unterwegs. "Living With The Past" heißt die Tour dieses Jahr - es lebt sich sicher ganz gut mit geschätzten 50 Millionen verkauften Tonträgern im Rücken - und entsprechend startet das Konzert mit Living In The Past. Dann kommt ein Blues vom ersten Album und der klingt, na ja, wie britischer Bluesrock von 1968 eben klingt, und dann kommt eine Reise durch die Geschichte. Aber welch seltsame Geschichte ist das? Kreativ hat sie irgendwann ca. 1980 geendet und seither treibt sich der clevere Geschäftsmann Ian Anderson mitsamt seiner Flöte und wechselnden Musikanten (nur Martin Barre ist eine feste Konstante) zwar im künstlerischen Niemandsland, dafür aber fest verwurzelt in den Herzen der treuen Fans herum. Eines darf man Anderson nicht vorwerfen: Eine reine Greatest Hits-Show zelebriert er nicht. Natürlich fehlen die ganz großen Klassiker nicht, aber es kommen durchaus unerwartete Songs zu Gehör und manche Evergreens sind deutlich umarrangiert. Ob man die unbekannteren Nummer wirklich hören will/muss, bleibt dem einzelnen Zuschauer überlassen und so manches Neuarrangement gefiel mir ganz und gar nicht, aber das ist reine Geschmackssache. Fakt ist, dass einzig Martin Barre mich mit feinen Soli im Verlauf der knapp 2 Stunden immer wieder aus der Tiefschlafphase gerissen hat. Ansonsten herrscht gepflegte Langeweile, Anderson gibt den drolligen Conferencier und kündigt dabei selbst den "sad song about a child prostitute" wie die lustige Geschichte von den sieben Gnomen hinter den sieben Hügeln an. Dazu springt er, wie üblich, recht agil und etwas seltsam, mit rudernden Armen und schlackernden Beinen über die Bühne und wedelt dazu mit seiner Querflöte umher. Das wunderschöne Heavy Horses kommt im Medley mit u.a. Too Old To Rock And Roll, Too Young To Die und das nervt. Grade solche Songs gehören ausgespielt. Dann gibt's den Titelsong vom letzten Studioalbum "J-Tull Dot Com", die alte Cross-Eyed Mary und und und. Endlich, als Zugabe, Locomotive Breath. Dampft toll dahin, klingt aber trotzdem irgendwie widerwillig. Ich kann es durchaus verstehen, wenn Künstler 100 Jahre immer den gleichen Song spielen sollen vergeht irgendwann der Spaß. Lösung: Einfach neue Klassiker schreiben! Noch ein Wörtchen zur erwähnten Masha. Die hübsche 24-jährige Sängerin wird von Leslie Mandoki produziert, der hat bekanntlich beste Connections zu Ian Anderson ("Soulmates") und so rutschte die Luxemburgerin ins Vorprogramm. Allerdings wurde sie bei ihrer Performance reichlich überdeckt von den anwesenden ,Soulmates', inklusive Mandoki, Anderson, diversen Streichern und Gitarristen etc. Trotz guter Stimme hatte sie eigentlich keine Chance sich durchzusetzen.
Was bleibt also nach Jethro Tull 2003? Ein durchgeschwitztes T-Shirt und die Frage, warum manche Altrocker so sind und andere anders. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.06.2003
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.06.2003 |
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