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Supp.: Flatman

Esslingen, Dieselstrasse, 31.01.2003

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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Setlist Flatman
Setlist Flatman - 40 KB
Setlist Lizard
Setlist Lizard - 25 KB
Flatman
Flatman - 35 KB
Lizard & Stefan Kossmann
Lizard & Stefan Kossmann - 39 KB
Esslingen, Kulturzentrum Dieselstrasse, 31.01.2003

Fast ein ganzes Jahr haben wir LIZARD als Headliner nicht live gesehen. Zeit also. Und schon geht's durch Schnee und Wind, nur ohne Kind, nach Esslingen.
Der Club mit dem seltsamen Namen Dieselstrasse (weil's ein Kulturzentrum ist) ist einer der hübscheren seiner Art. Große Bühne, große Bar, gutes Licht, bester Sound, nette Leute, saubere Klos. Da haben die ca. 200 anwesenden Leute einen feinen Abend.

Im letzten Jahr sind einige seltsame Dinge in der Southern Rock Szene vorgegangen. Wo es jahrelang nur Wüste gab, kamen plötzlich Bands wie Kakteen aus dem Nichts. Nur ein paar Namen: Rebel Storm, Savoy Truffle, 1880, W.I.N.D. (aus Italien!) und natürlich unsere deutschen Bands Two Moon, Moderate Pace, Nocturn und Flatman. Zählt man noch die vielen Bands hinzu, die unser Joachim entdeckt hat (siehe seinen Artikel über Bands auf www.MP3.com), dann kann man beinahe von einem Southern Rock Revival sprechen. Das müssen jetzt nur noch die Hörer und Leser draußen an den Bildschirmen und Kopfhörern mitkriegen.
Immerhin ein Teil dieser Szene arbeitet zusammen und dann passiert folgendes:

Flatman

Die beste (Southern) Band Europas hat Heimspiel und lädt die beste (Southern) Newcomerband Deutschlands als Support ein.
LIZARD holen sich FLATMAN, um dem müden Publikum Beine zu machen.
Kein schlechter Schachzug, denn was Stefan Van Kossmann und seine 4 Jungs und 2 Mädels in knapp einer Stunde abbrennen, ist das Beste, was einer alteingesessenen Hauptband und einem vergnügungswütigen Publikum passieren kann. Dem Publikum geben die Franken nämlich Zucker in Form von Southern-Rock-Brutal (schnell hören sonst wird das Ohr steif!) und den Lokalmatadoren setzen sie die Pistole auf die Brust respektive Gitarre, denn eine schwache Vorstellung darf man sich nach Flatman nicht erlauben.

Die Highlights der "A Bottle Of Booze"-CD plus einige ausgesuchte Skynyrd Cover (u.a. On The Hunt) und natürlich auch Edge Of Sundown von Danny Joe Brown werden uns krachend um die Ohren gehauen. Auffallend ist, wie schnell sich die Band im letzten Jahr eine verblüffende Bühnenroutine erarbeitet hat. Ebenfalls auffallend ist, dass die Jungs sehr von den Äußerlichkeiten beeinflussbar sind. Ist die Hütte voll, legen sie los wie die Feuerwehr, ist der Laden leer, kommen sie auch schon mal aus dem Konzept. In Esslingen war's voll.
3 Gitarren, jede kriegt ihre Lead-Parts, Vollgassongs, die ihren Ursprung bei Lynyrd Skynyrd, den Outlaws, den Allmans und Point Blank haben, dazu ein Sänger, der röhrt, wie von Johnny Walker persönlich verfolgt. Da bleibt bei mir kein Auge trocken und den anderen Besuchern hat es auch gefallen.

FLATMAN sind derzeit der beste Support, den man sich holen kann. Man gebe der Band 60 Minuten und eine ordentliche Bühne, dann rocken sie alles in Grund und Boden.

Es gibt aber noch eine logische Steigerung. Wenn eine Band im 2. Jahrzehnt besteht, im 8. Jahr in fast unveränderter Besetzung auftritt und in dieser Zeit neben einer Masse Konzerten auch solche Meisterwerke wie "Southern Steel" einspielt, dann darf man verlangen, dass auf der Bühne satt was geboten wird.

Georg Bayer

Um es kurz zu machen, LIZARD haben eine weitere Evolutionsstufe erklommen.
Alles was wir bisher kannten war perfekt, weltklasse und überzeugend. Und plötzlich kommt im Jahr 2003 auch noch eine ganz neue Art von Lässigkeit dazu, die dem Konzert den Eindruck eines ganz besonderen Events gibt.
Das Auge isst mit und da macht es was her, wenn die Gitarristen fast so schnell grinsen wie sie spielen, das Keyboard sich öfter mal in den Vordergrund drängt und dabei in Windeseile vom Sumpf in Florida zum Boogiekeller wechselt und wenn der Sänger mal so nebenbei ein Statement gegen Bush ablegt.

Christoph Berner & Volker Dörfler

Dass Dörfler und Berner ein Gitarrenduo par excellance sind haben wir im Home of Rock schon öfter gesagt (und in den verschiedenen Jahresrückblicken dokumentiert). Eine Steigerung schien fast nicht mehr möglich. Und doch, sie haben es geschafft. Noch mehr Soli, noch ausgefeiltere Double-Leads, noch mehr Druck, noch perfekteres Zusammenspiel.

Ein paar der älteren Nummern sind leicht umarrangiert und das verhindert Langeweile bei Leuten, die die Band schon oft gesehen haben.
Das Programm besteht natürlich aus allen Klassikern, fast die gesamte "Southern Steel" kommt zum Zug - nach wie vor der Meilenstein an dem sich alle anderen messen lassen müssen - und als Vorgeschmack auf kommende Taten gibt es zwei ganz neue Songs (deren Titel nicht auf der Setlist stehen). Und die haben es in sich!
Der eine ist ein mittelschneller, klassischer Southern Song und besticht durch die Lizard-typische Melodieführung und ein grandioses Solo im Mittelteil und der andere ist einfach der Hammer. Moody und Marsden oder Hlubek/Holland/Roland würde man so etwas zutrauen. Aber doch nicht einer kleinen Band aus Schwaben! Und wenn das der einzige messerscharfe Song auf der kommenden CD sein sollte, bereits damit wäre sie besser als 98% aller sonstigen Veröffentlichungen.

Als Sanges-Nachtigall ist Georg Bayer nicht berühmt, mit dem hohen C wird es nichts mehr in diesem Leben. Um so faszinierender ist es, dass er und seine Band es immer wieder schaffen, ihre Songs zielsicher, ohne Qualitätsverlust und ohne Eintönigkeit, genau auf den Punkt zu bringen. Mittlerweile ist es eigentlich gar kein "normaler" Southern Rock mehr. Der Rahmen ist viel zu eng geworden. Lizard ist einfach eine perfekte Rock Show.

Lizard & Stefan Kossmann

Mehr als zwei Stunden und etliche Weißbiere später (da müssen die Schwaben noch viel lernen - Kristallweizen... bäh!) räumt Georg für die letzte Zugabe die Bühne und Franken-Van Koss übernimmt für Gimme Back My Bullets. Gitarristisch gesehen sowieso eine Offenbarung. Und der Gesang? Nichts für schwache Nerven! Näher am Original war noch niemand.
Geiles Konzert!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.02.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 31.01.2003

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