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Fotos: Adelina Schmidtlein
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Lizard
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Manfred Mann
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Zum Schluss des Jahres gab es noch mal einen Leckerbissen. Im ersten Moment kommt man zwar ins Grübeln, denn LIZARD und MANFRED MANN'S EARTH BAND passen eigentlich gar nicht zusammen. Auf der einen Seite Southern Rock der knackigen Sorte, und danach die Greatest Hits Show einer Ursiebziger Band. Aber es klappt.
Man nehme eine tolle Halle, wie das H2O in Reichenbach, eine klasse Bühne, gutes Licht, tadellosen Sound, gut 1.000 partyhungrige Besucher und stelle LIZARD auf die Bühne. 45 Minuten später hast du den besten Supportact des Jahres gehört, Gitarren für die stillen Weihnachtsabende im Vorrat gespeichert und vor allem eine Band gesehen, die in diesem Jahr den Durchbruch zur anerkannt besten Southern Rock Band Europas geschafft hat.
Locker und entspannt rocken Lizard (diesmal ohne Keyboarder Klaus Brosowski) den bestmöglichen Querschnitt von "Southern Steel" herunter. I'm A Man, Boys Are On The Road, One Of These Days, Riding On A Train (schon was älter), wieder einmal Lonesome Guitar (ich bleib dabei, besser als das Original von DOC HOLLIDAY) und einige andere Nummern gehen einfach vom Ohr direkt in den Bauch und die Beine.
Wir haben LIZARD dieses Jahr etliche Male gesehen, Reichenbach gehört sicher zu den besten Gigs. Vor 2 Wochen haben Moody und Marsden von der COMPANY OF SNAKES den Titel des besten Gitarrenduos gewonnen. Platz 2 haben Berner & Dörfler von LIZARD sicher. Kein schlechtes Ergebnis für eine Band aus Spätzleland.
Dann die EARTH BAND. Seit 30 Jahren der kleinste gemeinsame Nenner für beinharte Rocker und kuschelwillige Rockerbräute. Der Mann mit dem Ohr für unsterbliche Versionen von eigentlich mittelmäßigen Songs von Leuten wie Springsteen, Dylan oder Newman. Mann ist sozusagen der Rattenfänger von Hameln am Mini Moog. Mit dem immergleichen Gezirpe und Gequietsche von diesem Ding hat er Klassiker erschaffen, die auch in 100 Jahren noch begeistern werden.
Mein erstes Konzert der EARTH BAND war 1978 oder '79. Es war die Tour zur Mega-LP "Watch" und die Band hat damals die Münchner Olympiahalle gefüllt. Viel hat sich seit damals nicht geändert. Die Hallen sind etwas kleiner geworden, die Lightshow nicht mehr ganz so opulent (wenn auch nach wie vor beeindruckend) und die Besetzung ist heute etwas anders.
Seit 3 Jahren ist Chris Thompson endgültig nicht mehr dabei, wird aber gleichwertig ersetzt von Noel McCalla (immerhin auch schon 10 Jahre bei der Band). Thompson wollte irgendwann nicht mehr nur alte Songs singen und hat sich, mal wieder, in eine Solokarriere verabschiedet. Schade, denn zusammen waren die beiden phantastisch.
Am "steady rollin'" Bass ist seit 1986 Steve Kinch. Der gibt den alten Nummern einen tollen Kick und wird vom, relativ neuen, Drummer Pete May noch mal zusätzlich gepusht.
Gitarre spielt nach wie vor Mick Rogers. Der hat zwar die kommerziell erfolgreichste Phase der EARTH BAND, "Watch", "Angel Station" und "Chance", nicht mitgemacht, ist aber für die Frühwerke verantwortlich und seit beinahe 20 Jahren wieder mit dabei und sorgt mit seinen Soli, zwischen gefühlvoll, einfach, wunderschön und hart rockend, für die nötige Rock & Roll-Bodenhaftung.
Die Setlist ist relativ überraschungsfrei (außer Don't Let It Bring You Down von Neil Young, das heisst bei Manfred Mann Castles), es fehlen sogar einige "unbedingt notwendige" Songs, wie Spirits In The Night oder Chicago Institute, aber trotzdem hören wir 90 Minuten lang einfach tolle Musik.
Fakt ist, dass Manfred Mann seit langer Zeit keine wirklich tollen, neuen Songs mehr geschrieben hat. Entsprechend klingt die jüngste Nummer, Shelter From The Storm vom 97er-Album "Soft Vengeance", irgendwie blutleer und harmlos (Das ist genau der Punkt: Alle Mann-Songs klingen harmlos, sind aber früher einfach geniale Ohrwürmer gewesen). Das wird allerdings locker aufgewogen vom zweiten unveröffentlichten Stück, Dancing In The Sun, einer Verschmelzung von House Of The Rising Sun und Dancing In The Dark von Springsteen (das sich in meinen Ohren allerdings wie We Didn't Start The Fire von Billy Joel angehört hat, sorry). Mal wieder eine coole und typische Manfred Mann-Coverversion. Man kann auf die für nächstes Jahr angekündigte neue CD gespannt sein.
Ansonsten setzt es die erwartete Hitparade. Martha's Madman (mein Lieblingssong von "Watch"), Blinded By The Light, Father Of Day, Father Of Night (von Rogers gut gesungen), Don't Kill It Carol, Marleys Redemption Song (akustisch und wunderschön zelebriert von Noel), der Demolition Man rockt (unvergessen die Version mit Steve Waller, R.I.P.), Manfred Mann gibt dem Moog die Sporen, das Publikum wird ständig animiert und singt mit, die üblichen Soundspielereien, viele Soloeinlagen, die aber verblüffenderweise nicht langweilen. Eine edle, perfekte Rockshow eben.
Ach ja, natürlich kamen die beiden Überhits auch noch. Wer weiß noch, wer Davy's On The Road Again geschrieben hat? Robbie Robertson und John Simon von THE BAND natürlich. Im Original auf John Simons ersten Album von 1971, aber zum Welthit gemacht von der EARTH BAND auf "Watch", 1978. Und zum Abschluss Mighty Quinn. Mal wieder hört man, was Dylan für Songs gemacht hat. Wenn er nur singen könnte...
Mehr als 1000 Fans können nicht irren und deswegen ist es auch immer noch richtig, dass Mann diese Songs spielt. Und wenn man, so wie wir, absolut zufrieden eine Halle verlässt, dann war es ein tolles Konzert. Von mir aus kann das noch 20 Jahre so weiter gehen.
Wir bedanken uns beim Team des H2O: Tolle Halle, nette Leute. Bei Georg Bayer: Für den Support über das ganze Jahr - weitermachen! Und bei Manfred Mann: Für einen Abend der Nostalgie aber ohne Melancholie.
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