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Fotos: Adelina Schmidtlein
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| München, Freudenhaus, 22.12.2004 |
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Alles begann, wie so oft, mit dem Rockpalast. An wie vielen zerbrochenen Eltern-Kind Beziehungen Peter Rüchel wohl schuld ist?
März 1978, mal wieder eine Samstagnacht, auf die sich mein Freund Klaus und ich seit Wochen gefreut hatten. Für sturmfreie Bude gesorgt, Bier und Apfelkorn gekauft (zugegeben, damals brauchte es nicht viel, um in den Zustand endgültiger Glückseligkeit zu kommen), Schnittchen vorbereitet und dann kam endlich die legendäre Anmoderation und wir rieben uns verwundert die Augen. Eine wildgewordene FUNK (!!) Band mit einer sensationell gut aussehenden Sängerin und einem Rock & Roll-Brachialsound, den man sich von anderen Soul- und Funk-Acts immer gewünscht hatte. Über dem unerhörten Sound vergaß man, dass Joyce Kennedy eine Hammerfrau war, bis heute überzeugt sie nicht mit albernen Anmachposen sondern mit ihrer unglaublichen Röhre - und sie sieht auch noch im Jahr 2004 einfach wundervoll aus.
Den Rockpalast von vor 26 ½ Jahren kann man nun endlich auf DVD erwerben, aber MOTHER'S FINEST sind immer noch am Leben und sie schaffen es doch tatsächlich, das kurzfristig von der Garage ins Freudenhaus in der Münchner Kultfabrik verlegte Konzert so richtig schön auszuverkaufen (oder jedenfalls beinahe).
Ein lustiges Völkchen hatte sich da versammelt. Tanzwütige weiße Männchen und Weibchen, Headbanger mit AC/DC-Aufnähern, sozialisierte End-Vierziger und eine Menge grimmig dreinblickende schwarze Männer, die mitsamt Goldkettchen und waffenscheinpflichtigen Ringen zwei Stunden stocksteif und ohne eine Miene zu verziehen wie angewurzelt auf ihrem Platz stehen. Can't Niggiz sing Rock & Roll?
Die Stimmung ist trotzdem überschäumend und M.F. geben von Anfang an alles. Meint man, denn was am Schluss des Konzerts passierte, war nochmals 150 Grad heißer.
Direkt beim ersten Song streikt das Mikrophon von Baby Jean Kennedy und sie muss sich nach hinten zur überzeugenden Backgroudsängerin Johnetta Johnson verziehen und sich mit ihr ein Mikro teilen. Macht nichts, denn die beiden sind von ganz weit hinten immer noch eindrucksvoller als ganze Legionen halbseidener Casting-Gören. Und vorne am Bühnenrand tobt derweil eben der Rest der Band. Die neben Baby Jean nach wie vor aus den Originalmitgliedern Glenn "Doc" Murdock am zweiten Lead-Gesang, Jerry "Wyzard" Seay am Bass und Gary "Moses Mo" an der Gitarre besteht. Dazu kommen die "Neuen", John Hayes an der zweiten Leadgitarre und Drummer Kerry Denton.
Moses Mo und John Hayes sind zwei Gitarristen der Sonderklasse. Der eine mit Dauergrinsen im Gesicht und den typischen Rock & Roll Riffs und Soli, die ihn auch in die Band von Carl Carlton gebracht haben, der andere, Hayes, als extrovertierter Virtuose in der Tradition von Hendrix oder auch Satriani und Eddie Van Halen. Wo Gary "Moses Mo" Moore den Funk zum Boogie macht, soliert John Hayes brillant und wenn sie beide zusammen in den Ausfallschritt wechseln, bricht ein wahres Donnerwetter aus den Boxen.
Apropos Boxen. Wie oft habe ich mich über zu laute Konzerte beschwert? Diesmal war es zu leise! Auf dem Weg nach hinten zum Bierstand wurde es von Meter zu Meter indifferenter und an der Hallenrückwand konnte man ungeniert telefonieren - was ein paar verwirrte Jungdynamiker auch taten.
Die nebenstehend abgebildete Setlist wurde irgendwann verlassen, zu viele Zugaben wurden von M.F. letztendlich verlangt. Dennoch stammte ein Gutteil des Repertoires natürlich aus den beiden ersten Platten "Mother's Finest" und "Another Mother Further" von 1976 und '77, beziehungsweise dem legendären Livealbum von 1979. Obwohl, halt, weiß eigentlich irgendwer, dass MOTHER'S FINEST bereits 1973 ihre allererste LP aufgenommen haben? Joyce Kennedy hatte im gleichen Jahr auch einen mittelprächtigen Solohit in den U.S.-Black Music-Charts. Ich kenne die LP, aber mehr als Sammlerwert hat sie angesichts der mehr als löblichen Hinwendung zum Hardrock, drei Jahre später, heute nicht mehr.
Trotz aller Nostalgie (das Wort Nostalgie ist angesichts der übermächtigen Power und Spielfreude eigentlich völlig unangebracht), auch das letzte Studioalbum "Meta-Funk'n-Physical" wurde ausgiebigst gewürdigt. Funk-a-Wild, Bring It, Flat On My Back und The N-Groove beweisen, dass die Band auch nach so vielen Jahren noch zu Experimenten mit neueren Sounds fähig ist. Dass auch diese Songs letztlich wie aus einem einzigen Rock-Schmelztiegel klingen, macht es nur um so schöner.
Auf der Bühne ist ununterbrochen Action angesagt, Wyzard donnert den bekannten Monster-Funk-Bass ins Publikum, Glenn Murdock und seine Frau wechseln sich in ihren Vocals nahe der Extasegrenze ab und Moses Mo zeigt zwischendurch einen meterhohen Spagatsprung - diese Band ist mitsamt ihrer Musik nicht älter geworden. Der Musik Express schrieb anlässlich der zweiten (eigentlich also dritten) LP "diese Band kocht". Das tut sie auch heute noch, wenngleich natürlich viel routinierter und von vielen Business-Enttäuschungen geprägt.
Mein persönliches M.F. Lieblingsalbum "Iron Age" kam nicht zum Zuge. Diese LP führte die Band 1981 nicht nur zu einer neuen Plattenfirma, sondern auch weg vom Funk-Rock hin zum Heavy-Rock. Bis heute denke ich, dass die Band seinerzeit mächtig gefrustet war von der Divergenz zwischen populärem Liveerfolg und geldbringenden Plattenverkäufen angesichts der lausigen Unterstützung durch die alte Firma und deswegen dieses kompromisslos brutale Album eingespielt hat. Ich hätte gerne die eine oder andere Nummer dieser Platte gehört, aber am Ende ist es egal, denn MOTHER'S FINEST haben heute den Weg gefunden, genau die perfekte Symbiose aus Funk- und Hard-Rock, gemischt mit einer Ladung Goodtime-Rock'n'Roll und moderner Black Music zu präsentieren.
Ein tolles Konzert, das spätestens bei den Zugaben auch noch bewegend war. Mickey's Monkey forever!
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