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München, Georg Elser Halle, 21.05.2002

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München, Georg Elser Halle, 21.05.2002

Vor ein paar Tagen hab ich noch über die neue CD gejubelt, jetzt waren sie schon live da und ich hab mich vorher richtig gefreut.
Aber das Leben ist ungerecht und so kriegt man oft nach einem High einen Tiefschlag verpasst.

Tja Freunde. Was jetzt folgt ist ein Verriss.

Die Elser Halle ist sehr gut gefüllt (800 Leute?), es ist heiß, man ist in Partylaune.
Und dann kommt: Nichts!
Besser gesagt, es folgen 90 Minuten abgestandener Hard Rock, olle Kamellen zum Gähnen, groovefreier Haudrauf-Boogie, gefühlsloser Heavy-Blues, gnadenloses Riff-Gehacke, pseudoböses Geschrei.
Zum Verständnis: Niemand, und auch ich nicht, erwartet von Rose Tattoo differenzierten und virtuosen Prog-Rock. Aber was uns die Kapelle um die Ohren gehauen hat, war schlicht bocksteif, primitiv und unterklassig.

Doch zum Anfang. Die Band kommt auf die Bühne und man spürt sofort einen Hauch negativer Vibes. Der kleine Brüllwürfel Angry mosert ein wenig rum, kündigt ein dreiteiliges Konzert an (am Anfang ein paar alte, ruhigere (?) Nummern zum Aufwärmen, dann Volldampf und am Schluss was zur Erholung) und dann geht es ab.
Unnötig, die Songs aufzuzählen, es klingt eh alles gleich. Von wegen "feiner Slide Gitarre" (wie ich sie in meinem Review zur CD erwähnt habe), und Rob Riley als Ron Wood der australischen Heavy-Fraktion zu bezeichnen, ist eine grobe Fehleinschätzung meinerseits gewesen.
Die Bühnenpräsenz der Band besteht aus Angry Anderson. Pete Wells steht einfach da, Rob Riley verzieht sich die meiste Zeit ins dunkle Bühnen-Off (außer er lässt am Bühnenrand eines seiner seltenen und letztlich unnötigen Soli ab) und einzig Bassist Steve King bewegt sich wenigstens ein bisschen. Und: Der grinst sogar ab und an!

Das Programm ist größtenteils identisch mit der Doppel-CD "25 To Life" und auch hier muss ich mich korrigieren. Schrieb ich doch damals "... da hat keiner mehr im Studio rumgefummelt...". Entweder, das war im Jahr 2000 eine andere Band oder ich hab mich mächtig getäuscht.
Nochmal: Ich habe nicht die Melbourner Philharmoniker erwartet! Aber wer so lustlos rumholzt ist nicht zu Unrecht niemals in die Champions League aufgestiegen.
Ellenlange Mitsing-Parts in jedem zweiten, dritten Song machen das ganze auch nicht spannender. Es hilft kein "let's boogie along...", kein "... good time rock & roll...", die Stimmung in der Halle bleibt lau und meine neigt sich gegen Null.

Natürlich, wenn die Band zu einem Boogie a la Bad Boy For Love ansetzt, ist man versucht mitzurocken und die Stimmung steigt auch sofort, aber das wird flugs von einer schrecklich verprügelten Astra Wally zunichte gemacht. Selbst Fast Eddy ist knapp 10 Minuten lang auf der Flucht vor dem Butcher und kann dem seelenlosen Bluesmetzger nicht entkommen.

Größter Kritikpunkt: Die wirklich tollen Songs des neuen Albums "Pain" kommen nicht zum Einsatz. Kein Someone To Fuck, kein Union Man, kein One More Drink With The Boys.
Mir gehen ein paar Lichter auf: Ganz klein und versteckt kann man in der Ankündigung der CD lesen, dass Bernie Marsden daran "songtechnisch" beteiligt war. Ich frage mich, wie stark er beteiligt war.

Mehr als 20 Jahre ist es her, da hinterließen Rose Tattoo bei mir einen ausgesprochen negativen Eindruck, als sich Angry in der Rudi-Sedlmayer-Halle in München das Mikro solang auf den Glatzkopf schlug, bis er blutüberströmt da stand. Für so was hatte und habe ich kein Verständnis. Das macht er heute nicht mehr (bricht sich dafür beinah ein Bein und humpelt den Rest des Konzerts durch die Gegend), aber wirklich angenehm ist sein Auftritt auch im Jahr 2002 nicht. Es kommt kein "Good-Time-Feeling" auf, keine positive Emotion.
Erst vor 5 Tagen waren wir bei Dan Baird und den Yayhoos im Konzert. Schon im Moment, wo Dan seine Gitarre umschnallt und einen Spruch loslässt muss man grinsen und wenn die Jungs ihren Rock & Roll raushauen, sieht man rundherum nur noch lachende Gesichter. Das verstehe ich unter einem guten Konzert! Ungeachtet dessen, dass auch die Yayhoos nicht grade Musik für Opernfans machen.

In seiner Kritik zum Konzert der Rodgau Monotones in München, schrieb ein Journalist der Süddeutschen Zeitung "...'ich war dabei' können ein paar privilegierte Münchner Nostalgiker sagen. Denn allzu oft werden die Hesse wohl nicht mehr kommen...".
So gesehen bin ich ein Münchner Nostalgiker, aber auf ein Wiedersehen mit den alternden Rabauken aus Australien bin ich nicht wirklich scharf.
Sorry, das war nichts!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.05.2002

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