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München, Backstage, 07.10.2008

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München, Backstage, 07.10.2008

Nach der prima CD "What If Leaving Is A Loving Thing" konnte man sich auf diese Tour wirklich freuen, auch wenn's nur eine Reise als Vorband ist. Ziemlich genau die Spielzeit ihrer neuen Scheibe bekamen die Schwedinnen denn auch zur Verfügung, um das Publikum, bestehend zu einem beeindruckenden Teil aus beeindruckend jugendlichen Girlies, zu, ähm, beeindrucken. Überzeugend geklappt hat das bei den Teenies nicht, was zum einen sicherlich an einer gewissen Stutenbissigkeit liegt, zum anderen aber auch an der Performance der Band SAHARA HOTNIGHTS.

Was kann man in 35 Minuten als Vorband anstellen? Zum Beispiel dem Publikum so lang in den Hintern treten, bis selbiger von selbst auf und ab hüpft. Männliche Fans haben es in diesem Fall eindeutig leichter, denn die Erscheinung der vier frustrierend jung aussehenden Routiniers - die Band existiert seit gut 15 Jahren - ist betörend. Die Frontfrau Maria Andersson balanciert in wundervollen Schuhen mit Pfennigabsätzen und ziemlich großer Gitarre elegant über die Bühne, Jennie Asplund an der zweiten Gitarre hat den provozierenden Blick einer Frau mit Grundsätzen, die zierliche Bassistin Johanna gibt die headbangende Rock'n'Roll-Suzie und Josephine Forsman trommelt mit einem Vorhang von Haaren vor dem Gesicht wie ein Kerl, nur viel hübscher natürlich. Sieht insgesamt toll aus, macht richtig Spaß beim zugucken, geht ins Bein, genau wie es zu erwarten war.
Die Setlist war letztendlich auch zu erwarten, es kamen die besten/wichtigsten Songs von "What If Leavin…" plus zwei oder drei ältere Nummern, die den Damen wohl wichtig sind. Ebenso erwartungsgemäß rocken SAHARA HOTNIGHTS live deutlich rauer als auf dem letzten Werk, das ohnehin poppiger als seine Vorgänger ist. Powerpop in Reinform, im Prinzip die perfekte Partymusik.
Wenn bei einem solchen Gig ein oder zwei schiefe Töne passieren, wenn mal das Timing im Chorgesang nicht stimmt, who cares? Dass sie es können, kann man unschwer an den wie beiläufig eingeworfenen Gustostückchen an den Gitarren hören. Da klingt es mal wie bei Tom Petty, mal wie BLONDIEs Chris Stein, in aller Regel aber originär nach SAHARA HOTNIGHTS. Alles bestens.

Warum hat der Gig trotzdem nicht richtig bzw. nur bei wenigen Leuten im Auditorium gezündet? Die Band hat vergessen in die anwesenden Ärsche zu treten! Mehr oder weniger desinteressiertes Volk muss man kicken, da ist es falsch, sich auf das Standardprogramm zu beschränken. Lemmy ist Meister in der Disziplin "Bring das Pack auf Vordermann", der erwähnt zwar normalerweise nur lapidar, dass er MOTÖRHEAD ist und Rock'n'Roll macht, aber wenn es mal eng wird, geht er en détail. Da reicht kein 'thank you and the next song is…' mehr, da muss gepusht werden.
Die Stimmung innerhalb der Gruppe und die Interaktion mit dem Publikum ging Song für Song zurück, was unterm Strich kontraproduktiv war. Anstatt sich auszutoben, ging man am Ende gefrustet von der Bühne und Maria feuerte ihr Plektrum in die nächste Ecke, anstatt Reaktion einzufordern. Schade, denn auch der Supersong Visit To Vienna ging so ein wenig unter. Diesen Knaller am Anfang und dazu ein paar saftige Sprüche, alles wäre gut gewesen, denn…

… Die so genannte Hauptgruppe SUGARPLUM FAIRY ist im Normalfall kein Gegner für die bezaubernden Mädels. Ein musikalisches Urteil über diese reichlich unwichtige Brit-Pop Nachgeburt sei der Pickelpresse überlassen, aber wer auf sein Backdrop "The wild one" schreibt, sollte dann wenigstens halbwegs wild sein, anstatt wie eine beliebige Teenieband banal brummelnde und nicht zu diversifizierende Möchtegernhits zu intonieren. Aber so funktioniert Pop: Bring 300 Schülerinnen zum kreischen und du hast gewonnen.
Für SAHARA HOTNIGHTS kommt hoffentlich noch eine Headlinertour fürs Ego und die eigenen Fans, gerne auch in kleinem Rahmen, sonst geht die Sache schief. Ganz intakt scheint die Chose wenigstens bei dieser Tour nicht zu sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.10.2008

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