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Fotos:
Adelina Schmidtlein
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Danny Dziuk & Jerry Joseph
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Wally "Kingdrum" Ingram
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Dave Schools
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Eric McFadden
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| München, Georg Elser Halle, 09.05.2004 |
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Muttertag. Ich hatte den ganzen Tag so was wie ein "Stockholm Syndrom" (siehe bitte Google für weiterführende Information), hegte also Sympathien für meine Entführer vom Tag zuvor, obwohl mich die zu massivem Alkoholkonsum gezwungen hatten. Leider hatten sich nur knapp 50 andere Münchner erpressen lassen und das sieht dann in einer 500er-Halle recht bitter aus.
Das ist für eine Band wie STOCKHOLM SYNDROME eine direkte Beleidigung. Jerry Joseph hatte mit seinen JACKMORMONS vor Wochen einen absoluten Playerverstopfer geliefert, bei den Schweden-Syndromaten ist ein Riese (in ALLEN Beziehungen - warum nur geht mir Samson aus der Sesamstrasse nicht aus dem Kopf?) mit am Werk: Dave Schools von WIDESPREAD PANIC, dazu der begnadete Percussionist Wally Ingram, Vorzeige-Keyboarder Danny Dziuk aus Berlin und der Session- und Tourgitarrist Eric McFadden, kein unbekannter Name in der Funk-Welt.
Schaut nicht gut aus, in der Jam-Szene, genau wie neulich bei STRING CHEESE INCIDENT bestand ein Großteil der wenigen Zuschauer aus Amerikanern.
An dieser Stelle ein Wörtchen an die "Fans": Leute, bitte stellt Euer saudummes Gejaule ein, weil viele Bands nicht nach Europa kommen! Nur durch Euer andauerndes Tape-Trading rentieren sich Tourneen für diese Bands nicht. Da müsst Ihr schon Eure Hintern hochheben und auch mal in eine Konzerthalle pilgern. Diese Bands geben Euch viel, gebt ihnen wenigstens ein bisschen zurück und verplempert Eure Kohle nicht für Claptons Opa-Mucke!
Jerry Joseph ist einer, dem nichts weltliches fremd ist. Vor tausend Jahren an der Nadel gehangen, trinkt er sich heute ab und an gern ein Bierchen, und einen leichten Hangover vom Abend zuvor (Malzhaus Plauen) kann er zu Beginn des Konzerts nicht verleugnen. Aber sie steigen ja mit einem relativ ruhigen Set ein. Jerry an der Akustischen, Dave Schools, das freundliche Riesentier, als Zusammenhalt der Band mit Monsterbass, McFadden spielt minimalistisch - unterfordert und trotzdem packend, Dziuk, der Intellektuelle (sieht aus wie Jörg Wontorra für Rocker), leistet Tasten-Basisarbeit und Wally Ingram werkelt trommelnd vor sich hin. Es klingt wunderschön, irgendwo zwischen WIDESPREAD PANIC und den ALLMAN BROTHERS groovt sich die Band ein.
Ich brauche 10 oder 15 Minuten, um Jerry Joseph als Sänger einordnen zu können. Und plötzlich hab ich ihn: Der Mann hat eine irre Ähnlichkeit mit dem ganz frühen Graham Parker! Wie er die Worte raushaut, wie er zornig das reaktionäre Pack (in den U.S.A., speziell den Südstaaten) mitsamt Bush geißelt, wie er versucht zu beweisen, dass die Welt nicht verloren ist, nur wegen den "paar" imperialistischen Kriegstreibern. Da ist so viel Energie, so viel Wut und so viel positive Message, dass man einfach sonnig draufkommen muss: "Leute, es ist alles verloren, lasst es uns besser machen, wir können es!"
Speziell bei einer Nummer, deren Name ich nicht weiß, war ein grandioses Allman-Brothers-Feeling da. Das war wie Melissa in moderner Form. Wunderschön.
Aber dann, nach vielleicht einer halben Stunde, griff Herr Joseph plötzlich zur E-Gitarre. Vom entspannten Jam-Abend mutiert dieser Muttertag plötzlich zum ausgewachsenen Rock-Konzert! Hoppala, der Joseph ist ein exzellenter Gitarrist, haut ein paar Riffs und Soli hin, dass man mehr als verdutzt guckt. Das ist ausgewachsene Sonderklasse. ABER: In diesem gesamten Konzert spielt sich kein Musiker in irgend einer Weise in den Vordergrund. Alles, wirklich alles, passiert im Band-Kontext, keine Solo-Selbstbefriedigungen (was mir im Fall Wally Ingram ein klein wenig leid tut, denn den kann man als Percussion-Solist endlos genießen).
Eric McFadden, der Funk-Gitarrist, spielt auch eine hervorragende elektrische Mandoline, auch wenn es nicht sein Instrument ist.
Und überhaupt ist ganz viel Funk in diesem Konzert. Wenn Schools, McFadden und Ingram losgrooven dann ist kein Halten mehr (J.J. bezeichnet Ingram nicht umsonst als Wally Kingdrum).
Wenn ich die Ansagen von J.J. richtig verstanden habe, dann war ein Song von Danny Dziuk bzw. von einem seiner Alben. Klang gut. Und dann war Pause.
Das Volk habe ich schon oben beschimpft, gehen wir also direkt zu Part 2 über.
An diesem Sonntag spielten in München auch die SCORPIONS (im Circus Krone - die Haare werden dünner, die Venues kleiner). Aber die wirklich GROSSE Rockshow boten nicht die abgetakelten Plüschis aus Hannover sondern die gestandenen Männer von STOCKHOLM SYNDROME. Der kettenrauchende Jerry Joseph ist so geerdet, dass er seine Kippen mit nackten Füßen austritt, Schools ist sowieso über jeden Verdacht erhaben, auch nur ansatzweise abheben zu können und die Band funktioniert trotz aller Improvisation und spontaner Setlist-Umstellungen als Kollektiv; die Songs stehen ohne Abstriche immer im Vordergrund.
Apropos große Rockshow. Natürlich kommt auch Couldn't Get It Right vom formidablen CD-Debut "Holy Happy Hour" zum Einsatz und was aus diesem fast dreißig Jahre alten Schmock-Rock-Klassiker werden kann, sollte jeder Band zum Vorbild für etwaige Coverversionen dienen. Wir brauchen keine CLIMAX BLUES BAND mehr!
Der zweite Set ist geprägt von fettem Rock, mal staubig wie von Steve Earle, mal direkt aus dem Stadion, mal elegisch schwebend und dann wieder mit puren Southern Rock Twingitarren. Jerry Joseph ist ein toller Sänger, McFadden wächst je komplizierter desto mehr über sich hinaus und es groovt groovt groovt... Selbst eine eingeschobene Jazznummer mitsamt Al DiMeola-Gedächtnissolo nervt nur am Rande.
3 Stunden großartige Musik! Bitte mehr davon.
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