|
Konzertbericht:The String Cheese IncidentMünchen, Georg Elser Halle, 23.03.2004 |
![]() |
|
|
|
Was hat das aber auch geregnet den ganzen Tag. Taktisch günstig hetze ich pitschnass genau zum Konzertbeginn in die Halle und lande umgehend in einem Sonnenlicht-Warmluft-Klangtherapie-Wellnesscenter. THE STRING CHEESE INCIDENT sind mal wieder eine Band aus der Parallelwelt der Gute-Laune-Musik. Ich gebe gerne zu, ihre Studioplatten interessieren mich nur marginal, zu langweilig und steril kommt diese Musik im Studio und das gilt (in meinen Ohren) auch für die aktuelle CD "Untying The Not", auch wenn die erstmalig in eine andere, songorientiertere, Richtung geht. Da klingt mir zu vieles nach Fingerübungen eines perfekten aber aufgeregten Musikhochschülers kurz vor der Abschlussprüfung. Völlig entspannte Typen spielen (genau, sie spielen!) völlig unaufgeregte Sounds, nehmen sich alle Zeit der Welt und scheren sich nicht die Bohne um handelsübliche 3 1/2 Minuten Standards. Ja, diese Musik ist auch etwas für die ganz langsamen Blitzmerker. Wer es nicht gleich kapiert, hat genügend Zeit, auch noch nach 8 Minuten in den Groove einzusteigen, es dauert schließlich noch ein Weilchen bis zum Ende. Einer der Höhepunkte dieses ersten Sets ist natürlich Mighty Quinn. So cool hab ich diese EARTH BAND-Nummer noch nie gehört. Bevor Beschwerden kommen: Ja, ich weiß, wer den Song geschrieben hat! Aber auch die 2, 3 oder 4 anderen Nummern gingen so wundervoll ins Bein. Was für eine Rhythmusabteilung! Wenn ich schon bei den Fertigkeiten der Musiker bin, dann gehen wir doch direkt zu Bill Nershi an der Lead Acoustic Guitar. Auch wenn er ab und an zur elektrischen Sechssaitigen bzw. zur Slide greift, sein Instrument ist die Akustische. Und damit macht er mehr her, als so mancher anderer mit meterhohen Marshalltürmen im Rücken. Der Mann rockt! Dann wären noch der nette Koreaner Michael Kang an der elektrischen (!) Mandoline (!!) und an der Geige (!!!) und Kyle Hollingsworth an den Tasten und Knöpfen übrig. Der Tastendrücker in dieser traumhaften Band ist ein Spezialfall. Wechselweise produziert er wärmste Hammond Orgien oder hochtechnoide Electrosounds. Aber selbst die passen ins Konzept, denn Trance und Dance entsprechen durchaus dieser völlig vorurteilsfreien, altmodisch-modernen Jam Rock Mutation. Hey, warum denn nicht einfach mal die Kids mittels Blubbersynthie und ohne Ecstasy zum Tanzen bringen? Geht ja bei mir, vergleichsweise älterem Herrn, auch. Nur einmal kam ich etwas ins Schleudern. Da vermischte sich ein absolut lässiger Sunshine-Reggae mit schwermütigem Psychedelic-Sound. Schwermut hin, Sonnenschein her, die Verknotung wurde ruckzuck (eigentlich ein Widerspruch bei dieser Band) durch ein paar Breaks und/oder eingestreute Instrumentalakrobatik aufgelöst und schon konnte das Bein wieder entspannt vor sich hin wippen. Nach einer Stunde war Pause. Wie im Theater. Da hat man Zeit, sich das Publikum anzugucken. Interessant, gut drei Viertel sind Amis und die sind jung. Sehr jung. Haben Rastalocken (oder das was sie dafür halten) und bunte Klamotten, trinken keinen/kaum Alkohol und nach Shit riecht es eigentlich auch nicht. Times they are-a-changin'... Aber es ist so schön an diesem Abend in der Elserhalle. Am Bierstand werde ich nach vorne gebeten (sehe ich so alt oder so versoffen aus?), einer tritt mir auf den Fuß und entschuldigt sich dafür mit einem Kuss (es war einer, leider) und nach dem Konzert fragen einen etwa 20 Ami-Kids, wie es denn gefallen hätte. Süß. Ganz abgesehen von der kostenlos verteilten Promo-Split-CD mit SCI und Keller Williams (zu dem gibt es ganz bald mehr im HoR!). Teil 2 der Party dauert dann inklusive Zugaben knapp zwei Stunden und es gibt keinen Spannungs-, Spaß- oder Groove-Abfall. Eiderdaus, da tanzt wirklich die ganze Halle - bis auf ein paar verirrt-verwirrte deutsche Buchhalter, die sich an die Hallenwand drücken. Bob Marley wabbert durch die Halle, genau richtig verstanden und interpretiert, gefolgt von einem konsequent Spaß machendem Zwanzigminüter ohne Namen und einer langen Kurzversion in Sachen Rockgeschichte: Zappaeskes jagt klassischen Southern Rock, der wird per Blattschuss von einem fetten Funk erlegt (Wonder's Superstition ist vieeel zu kurz!), es wird ge-PINK FLOYDed, BLACK SABBATH kurz erwähnt, Willie Nelson und Johnny Cash gehuldigt, an Santana gedacht, dem Gott Cajun mit den LITTLE FEATs ein Ständchen gebracht und und und. Ständig diese Bilder, diese Farben, alle um mich herum lachen und haben Spaß, ich auch... Ich hab vergessen zu erwähnen (aber es ist ja noch Zeit), dass alle in der Band singen. Abwechselnd, nacheinander, miteinander, im Duett oder im Chor. Klingt immer klasse. So, genug bewiesen, dass ich keine Ahnung von Jam Rock habe. Ist mir aber egal, ganz genau wie mir die Setlist dieses Konzerts egal ist. Songs? Pffft, keine Ahnung, nie vorher gehört und das spielt auch keine Rolle, weil nur diese drei genialen Stunden zählen. Man kennt nicht immer die Namen derer mit denen man drei geile Stunden verbringt... Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.03.2004
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.03.2004 |
||||||||
|
|
|