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| Little Rock, AR (USA), Alltel Arena, 22.03.2007 |
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Definitiv kein Boogie. Wenn man keinen Ton gehört, sondern nur Bilder gesehen hätte, hätte man meinen können, dass Rick Parfitt und Francis Rossi auf der Bühne stehen und ihr Gesicht so gut wie möglich hinter den herunterhängenden Haaren verstecken wollten. Gitarrist Daniel Sproul war wirklich selten 'richtig' zu sehen. Herrlich! Die Musik hatte aber ganz und gar nichts mit dem Sound oben genannter Rock-Dinosaurier zu tun.
Allerdings endlich mal wieder eine interessante Vorgruppe. In einigen Magazinen schon als Band, die man 2007 mit auf der Rechnung haben sollte gefeiert. Und das wohl zu Recht, denn die 3 Jungs (Durchschnittsalter 21!!) aus Boulder, Colorado wussten wirklich zu gefallen.
Das Set von ROSE HILL DRIVE bestand hauptsächlich aus Songs ihres selbstbetitelten Debütalbums, dem man die Vorbilder der Band (THE WHO, ZEP, GRAND FUNK RAILROAD, CREAM) auch anhört. Dass RHD auch schon reichlich Bühnenerfahrung gesammelt haben, war ihrem professionellen Auftreten anzumerken, auch die ca. 10.000 anwesenden WHO-Fans schienen sie in keinster Weise nervös zu machen.
Los ging es mit dem Opener der Platte, Showdown, der schon zu Beginn für den richtigen Groove sorgte. Der Klang war von Anfang an optimal, alle drei Instrumente waren sehr gut zu hören und die Band zauberte mit diesen minimalistischen Mitteln einen riesigen Sound in die Halle. Sänger Jake Sproul konnte auch durch sein auffälliges Bassspiel gefallen und trug damit genauso zu einer soliden Basis für das Gitarrenspiel seines Bruders bei wie Schlagzeuger Nate Barnes. Die hämmernden Riffs und gigantischen Soli von Daniel standen allerdings immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens.
Nach Showdown wurde noch Cross The Line, Man On Fire, Reptilian Blues und Cool Cody zum Besten gegeben, außerdem wohl ein neuer Song, Trans Am.
Zu erwähnen bleibt mir noch, dass die Band die 16 Stunden von Colorado nach Arkansas mit dem Auto hinter sich gebracht hat, nachdem sie erfahren hatten, dass das Konzert doch statt fand. Die beiden zuvor geplanten Konzerte in Mexiko City und San Antonio mussten ausfallen, da Roger Daltrey eine Art Bronchitis hatte und erst am Tag zuvor entschieden wurde, dass Little Rock stattfinden kann. Als noch nichts mit Privatjet oder so was.
Nach einer 15-minütigen Umbaupause, in der unter anderem THUNDERs Last Man Standing aus der PA dröhnte (was hier schon überraschend ist, denn THUNDER kennt keiner. THE WHO sind halt Patrioten), ging es pünktlich um halb neun los. Als erste erkletterten Roger Daltrey, mit einer Tasse Tee bewaffnet, und Pete Townshend die Bühne.
Wie schon bei den Auftritten zuvor ging es mit I Can't Explain los, das fast nahtlos in The Seeker überging und von Anyway, Anyhow, Anywhere vom "My Generation" Album gefolgt wurde. Zu Can't Explain liefen auf der fünfteiligen Leinwand Bilder aus sehr alten Tagen, die die 'Wildheit' der Band damals sehr gut rüberbrachten. Die Zeiten ändern sich, übrig geblieben ist davon nur noch Pete Townshends "Mühlenrad", das er schon zu Beginn des Auftritts mehrfach zum drehen brachte und Roger Daltreys Mikrofon-Schleudertest (oder hat den Udo Lindenberg erfunden?) [Absolut! Red.]. Was aber nicht heißen soll, dass der Auftritt langweilig werden sollte...
Nach den ersten drei Klassikern gab es mit Fragments das erste Stück vom Neuling "Endlees Wire", bevor mit Who Are You, Behind Blue Eyes und Real Good Looking Boy weitere "Oldtimer" zum Einsatz kamen. Anders als bei Versionen moderner Bands gab es zu Behind Blue Eyes den hörenswerten Abgehteil, der doch maßgeblich zur Stärke dieses Songs beiträgt. Ich hatte auch den Eindruck, dass es sich bei diesem Stück um einen Publikumsliebling handelt, der Jubel nach dem Song war gigantisch. An dieser Stelle dann auch die erste Ansage von Roger Daltrey, dem man dabei und auch bei seinem Gesang anmerkte, dass er noch angeschlagen war. Zum Inhalt des Folgesongs Real Good Looking Boy mutmaßte Daltrey, dass dieser 'gutaussehende junge Herr' ja nur einer sein kann - Elvis Presley. Im den Song untermalenden Film gab es zu diesem auch viel altes Filmmaterial, was ja nicht unpassend war, da Elvis nur knappe zwei Stunden von hier aufwuchs und berühmt wurde.
Nach Good Looking dann die erste Ansage von Pete Townshend, der ein Exzerpt aus sechs Songs der Mini-Oper Wire And Glass, ebenfalls vom neuen Album, ankündigt und kurze Assoziationen zu Little Rock ("das passt ja nicht so ganz zum heutigen Abend, denn eigentlich sind wir nicht hier um 'little rock' zu machen...") einbrachte.
Die sechs Songs Sound Round, Pick Up the Peace, Endless Wire, We Got A Hit, They Made My Dream Come True und Mirror Door kamen sehr gut rüber und passten auch prima zum Rest der Songs. Zu Endless Wire durfte Pete Townshend singen, was er auch sehr überzeugend tat.
Bevor ich es vergesse: die Zuschauer waren, wie schon des Öfteren hier in den Staaten, unglaublich laut, jeder Song wurde wirklich gefeiert und das gesamte Publikum stand fast während des kompletten Auftritts - ich musste mich nicht ein Mal hinsetzen. Allerdings war die Halle, die 18.500 Zuschauer fasst, nicht ausverkauft. Der obere Rang war komplett mit Vorhängen "abgehängt" und die Bühne ragte etwas weiter als sonst in die Halle hinein. Dazu sei auch gesagt, dass Little Rock tatsächlich irgendwo im Nirgendwo liegt, rings herum ist nicht viel außer plattes Land mit Feldern und Wäldern, 2 Stunden Richtung Osten liegt Memphis, 5 Stunden Richtung Westen liegt Dallas, da wir uns aber mitten in der Woche befinden, wird der Konzerttourismus nicht zu groß gewesen sein. Little Rock ist wohl lediglich bekannt dafür, dass Bill Clintons Karriere hier als Gouverneur von Arkansas begann. Touristischer Höhepunkt ist dann auch Bill Clintons Bibliothek, bei welcher es sich, neben den "Büchern", um ein dreistöckiges Museum über seine Schaffenszeit handelt. Nicht uninteressant, aber nicht dass jemand auf die Idee kommt, extra deshalb Little Rock einen Besuch abzustatten!
Zurück zum Set: Nach der Mini-Oper ging es ab ins "Teenage Wasteland" - Baba O'Riley mit Harmonika-Solo von Roger Daltrey war erste Sahne. Diesem folgte wieder eine süffisante Ansage von Pete Townshend, bei welcher er über die alten Eskapaden der Band bei Liveauftritten sprach und an die "gute alte Zeit" erinnerte, sich als Hippie outete und Woodstock lobte, und sich dafür entschuldigte, dass sie früher immer "a big mess" hinterließen. Das folgende Eminence Fron vom "It's Hard" Album brachte eine etwas groovig/funkige Atmosphäre in die Halle, was die Tanzfrequenz unter den Mädels (na ja, wohl eher Frauen) erhöhte, hierzu sang wieder Pete, dafür packte Roger Daltrey seine Telecaster aus und trug somit zum Geschehen bei. Zu Man In A Purple Dress gab es dann mal nur Gesang und Gitarre, es folgte Black Widow's Eye, ebenfalls von der neuen CD und anschließend steigerte sich die Band in ein wahres Abschlussfeuerwerk hinein.
Ach so, die Band hätte ich fast vergessen. Seitdem John Entwistle den Bass leider nicht mehr spielen kann, wird dieser Part hervorragend von Pino Palladino übernommen, dieser sorgt zusammen mit Zak Starkey (dass dieser Ringo Starrs Sohn ist muss ich wohl nicht mehr erwähnen) für eine hervorragende Grundlage in der Rhythmusabteilung. Vor allem Zak Starkey gefällt mir wirklich sehr gut, schon auf der DVD "Live At The Royal Albert Hall" ist er mir sehr angenehm aufgefallen, was er am heutigen Abend eindrucksvoll bestätigen konnte. An der zweiten Gitarre haben wir einen weiteren Townshend - Petes Bruder Simon, der fast den gesamten Auftritt breitbeinig seine Gitarre hervorragend bearbeitet und auch maßgeblich zum Chorgesang beiträgt (Who Are You wäre hierbei hervorzuheben); an den Keyboards diesmal NICHT der wohl schon zum Inventar zählende John Bundrick, er wurde von Brian Kehew ersetzt. John war schon nach Texas zurückgekehrt. Hatte wohl mit dem ganzen Durcheinander vor dem Auftritt zu tun, einen Tag hieß es, es findet statt, dann wieder nicht und so weiter...
Das Feuerwerk begann mit dem Klassiker You Better You Bet, gefolgt von My Generation, das nahtlos in Cry If You Want vom "It's Hard" Album überging. Vor der Zugabe dann mit Won't Get Fooled Again wohl der Höhepunkt des Abends, ausgedehnt auf bestimmt 10 Minuten wurde dieser Titel noch frenetischer gefeiert und war ein würdiger Abschluss für den regulären Auftritt.
Für die Zugabe hatten sich THE WHO dann eine weitere Mini-Oper aufgehoben, diesmal nicht "Auszüge" aus den Songs, sondern die kompletten Titel, aber nur vier vom Ganzen. In Einzelnen waren das Pinball Wizard, Amazing Journey, Sparks und natürlich als hervorragender Abschlusssong See Me, Feel Me.
Danach verließen alle außer den beiden Hauptdarstellern die Bühne, nur mit Akustikklampfe bewaffnet intonierte Pete Townshend mit Tea And Theatre noch ein Stück vom neuen Album. Roger Daltrey bestritt diesen Song dann, passender Weise, mit einer Tasse Tee in der Hand (davon gehe ich nach seiner 'Krankheit' aus).
Auch dieses Mal muss ich wieder sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat von Tennessee nach Arkansas zu pilgern, um diese "Helden" der Rockmusik zu sehen. Ein durch und durch gelungenes Konzert.
Normalerweise stehe ich nicht besonders auf Videoleinwände mit Filmen, Kunst und was sonst teilweise noch darüber flimmert, aber in diesem Fall war sie wirklich sehr gut eingesetzt, dezent aber doch präsent. Einfach passend, liegt wohl an der jahrelangen Erfahrung und gutem Geschmack....
In kurzer Zeit besteht ja auch in Deutschland noch die Chance THE WHO noch mal live zu sehen (oder war das nur in England?) - ich kann nur sagen: nichts wie hin!
[Was angesichts der überaus dezenten Ticketpreise zwischen 70 und 90 Euro für jeden Familienvater (arbeitslos muss er gar nicht sein) eine ganz leichte Übung sein dürfte. Red.]
Setlist: I Can't Explain, The Seeker, Anyway, Anyhow, Anywhere, Fragments, Who Are You, Behind Blue Eyes, Real Good Looking Boy, Sound Round, Pick Up The Peace, Endless Wire, We Got A Hit, They Made My Dream Come True, Mirror Door, Baba O'Riley, Eminence Front, A Man In A Purple Dress, Black Widow's Eyes, You Better You Bet, My Generation, Cry If Youn Want, Won't Get Fooled Again, Pinball Wizard, Amazing Journey, Sparks, See Me Feel Me, Tea And Theatre
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